G20 Geborstene Scheibe
Diskussionsbeitrag von J. Büttner, Hamburg

Die Stunde der Nachtreter, Waden­beißer, Reaktionäre und Schaum-vorm-Mund-Anti-Liberalen und Linkenfresser ist gekommen. Die geplante Zwangsruhe von Bürgermeister, Innensenator, Polizeieinsatzleitung, Bundesministerien und Regierung ist nicht eingetreten. Das Desaster groß – Stunde der Nebelkerzen und Verdrehungen angesagt. Oder anders: Wer nicht bei 3 auf den Bäumen ist, wird gefressen.

Elegant ausgetanzt – jetzt tanz ich statt G20
Die eine Seite: Kampfausrüstung, Stillstand, Warten, unterdrückte Aggression – Politik und Polizei. Die andere Seite: Drums, Beats und tausende fröhliche junge Menschen, die den Apparat elegant aus- und umtanzen. Die gegen die Politik von G20 auf ihre Art protestieren. Gegen jene in Anzug und jene im Kampfanzug.

G20 in Hamburg-Stichwort "cornern". Meistens abends wird sich in bestimmten Teilen St. Paulis oder Altonas zum „Cornern“ verabredet. Viele, meist Jugendliche oder jüngere Erwachsene treffen sich an Straßenkreuzungen und bestimmten Ecken, um dort zu cornern. Zentraler Punkt dort ist ein Kiosk, der bis spät in die Nacht oder durchgängig geöffnet ist.

So läuft's: „Wir beschliessen etwas, stellen das dann in den Raum und warten ab, was passiert. Wenn es dann kein grosses Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“ - Jean-Claude Juncker, Kommission der EU, über Europapolitik und die Demokratie, Spiegel 52/1999

Fest der Demokratie? Angeordnete Demokratie und verortete Proteste. So stellen sich Innen­ministerium und Bürgermeister, Polizei und Justiz den Ablauf von G20 in Hamburg vor. Jene zur Berühmtheit aufgestiegene Elb-Halbinsel Entenwerder – in normalen Zeiten beschaulich – abseitig gelegen und als Hunde-Auslaufplatz mit entsprechenden Begleiterscheinungen versetzt – ist Schauplatz martialischer Polizeiaufgebote und juristischer Hickhacks geworden.