Dies ist der zweite Teil einer Reihe, die mit kurzen Portraits Umweltaktivistinnen* dieser Welt vorstellt. Besonders uns Frauen* soll damit ein Einblick in die Vielfältigkeit von Protest gewährt werden. Jede der vorgestellten Frauen* leistet(e) ihren ganz individuellen Beitrag zum Schutz der Umwelt und zum eigenen Leben im Einklang mit der Natur. Wir möchten euch mit dem Potpourri an Lebensentwürfen und aktivistischen Ansatzpunkten, das sich über die nächsten Monate in den Portraits ansammeln wird, motivieren, euch selbst als umweltaktivistisch in all euren großen und kleinen Schritten zu begreifen.

Heute stellen wir euch Hanna Poddig vor, die Anfang Mai 2017 eine 110-tägige Haftstrafe antrat, weil sie sich weigert, eine wegen einer Ankettaktion gegen sie verhängte Strafe von 1650 Euro zu zahlen.

Hanna wurde 1985 geboren und bezeichnet sich selbst als Vollzeitaktivistin. Mit siebzehn Jahren wurde sie Mitglied bei Robin Wood und hatte dort zeitweilig eine Vorstandsposition inne. Doch der Schwerpunkt ihrer Politik war von Beginn an der praktische Aktivismus.

Bei Castorblockaden, beim G8 Gipfel in Heiligendamm oder bei Blockaden von Militärtransporten war Hanna dabei und initiierte diese vielfach.

Im Fokus ihres Aktivismus steht der Anti-Atom-Aktivismus. Doch Hannas Leben birgt umweltpolitisches Engagement auf noch viel mehr Ebenen, die weit ins Privatleben reichen. So versucht Hanna in ihrem täglichen Alltag einem konsumorientierten, kapitalistischen System zu entfliehen. Sie wohnt dort, wo sie gebraucht wird, ist immer unterwegs und steht damit außerhalb des Mietsystems. Entsprechend spielt für sie sowas wie eine Wohnungseinrichtung keine Rolle. Ihre Anziehsachen sind zum größten Teil aus “Freeboxen“, geschenkt oder getauscht. Ihr Nahrung ist containert, also aus den Mülltonnen von Supermärkten. Dennoch ist es zumeist noch haltbar, bio und unbeschädigt.

Kletter, Abseil- und Ankettaktionen erfordern Mut und Können und dazu nicht nur die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem kritisierten Gegenstand sondern auch mit der Reaktion einer staatlichen Repression. Vielfach wurde sie verurteilt aber auch oft freigesprochen. Geldstrafen zahlt sie nicht. Statt dessen stellt sie mit dem Antritt ihrer Haftstrafen klar, dass es sich bei Ankettaktionen um notwendigen zivilen Ungehorsam handelt, der legitim und wichtig ist und sich gegen illegitime und Mensch und Natur gefährdende Atomtechnologie handelt. Zudem offenbart sie damit das absurde System der Ersatzfreiheitsstrafe, denn bereits nach zwei Wochen übersteigen im aktuellen Fall die Kosten der Haft die der Strafe.

Ihre Erfahrung mit dem juristischen System nutzt Hanna, um sich selbst und andere durch die Möglichkeit einer Zulassung nichtstudierter Jurist*innen nach §138(2) StPO zur Strafverteidigung vor Gericht zu verteidigen.

Zu guter letzt ist Hanna auch als Journalistin (z.B. hier: http://nirgendwo.info/blog/author/hanna/) und als Buchautorin tätig. Vor allem mit ihrem Buch „Radikal mutig: Meine Anleitung zum Anderssein“ (erschienen im Rotbuch Verlag) inspiriert Hanna zum eigenen Engagement. Überhaupt bietet ihr Leben viele Anknüpfungspunkte, um über die Vereinbarung zwischen Leben und Engagement nachzudenken, den Alltag politischer zu begreifen und hier und da selbst aktiv zu werden.

Ihr könnt Hanna während ihrer Haftstrafe vielfältig unterstützen.
 Schickt ihr Post:

Hanna Poddig
JVA Hildesheim
Godehardplatz 7
31134 Hildesheim

Spendet für Unterstützungsaktionen:
Spendenkonto:
Konto „Spenden & Aktionen“
IBAN DE29 5139 0000 0092 8818 06
BIC-Swift: VBMHDE5F
Betreff: Anti-Atom-Antirepression (wichtig anzugeben)

Unterzeichnet diese in Indien initiierte Petition für Hanna:
www.dianuke.org/sign-petition-global-solidarity-hanna-poddig-arrested-germany-anti-nuke-action/