Pressemitteilung der Umweltgewerkschaft Göttingen 05.06.2018

Bereits am 7. Mai 2018 hat das Gewerbeaufsichtsamt Göttingen eine von den Stadtwerken geplante Holzverbrennungsanlage („Biowärmezentrum“) trotz erheblicher Kritiken von Umweltschützern genehmigt. Die Genehmigung wird in den nächsten Tagen rechtskräftig. Mit dieser Anlage sollen künftig rund 16.000 Tonnen Holz jährlich verbrannt werden, um Wärme für das Fernwärmenetz zu erzeugen. Ein Bündnis aus Umweltgewerkschaft, Naturfreunden, Nabu Göttingen, IPPNW Göttingen und Lichtenbörner Kräuter lehnt diese Anlage ab. Am Dienstag den 5.6. hat ein Gespräch der Umweltgewerkschaft mit Vertretern der Stadtwerke stattgefunden. Gleichzeitig wurden am Eingang ein Flugblatt gegen das Greenwashing Projekt verteilt.


Nach dem Gespräch mit den Stadtwerken und Einsichtnahme in die Unterlagen beim Gewerbeaufsichtsamt sieht sich die Umweltgewerkschaft in der Ablehnung des Projektes weiter bestätigt. Nach dem vorliegenden Gutachten des TÜV Hessen werden dadurch jährlich 200 Millionen Kubikmeter Abgase erzeugt. Prof Jooß vom Bündnis gegen das „Biowärmezentrum“ sagt dazu: „Es wird im Gutachten belegt, dass jährlich unter anderem 4 Tonnen gesundheitsschädliche Feinstäube und 1,6 Tonnen teils hochgiftige Kohlenwasserstoffe freigesetzt werden. Angabe zu Emissionen von Ultragiften wie Dioxinen und Furanen fehlen in den öffentlich einsehbaren Unterlagen vollkommen. Dabei ist in der Fachliteratur die Entstehung dieser Ultragifte bei Holzverbrennung gut dokumentiert. Das zeigt den Irrsinn von Energiewandlung aus Verbrennungsprozessen.“ Stadtwerke und Gewerbeaufsichtsamt berufen sich auf die eingehaltenen gesetzlichen Grenzwerte der Bundesimissionsschutzverordnungen (BImSchV). Doch seit mehr als 20 Jahren verhindern Lobbyverbände der Großindustrie, dass in der Gesetzgebung endlich Gesundheit und Umweltschutz Vorrang haben vor den Profitinteressen.
Angesichts der raschen Klimaerwärmung mit zuletzt den Monaten April und Mai 2018 als wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, ist die rasche Umstellung auf saubere erneuerbare Energien dringend notwendig. Für die saubere Wärmeversorgung der Stadt ist es vor allem erforderlich weiter Energie einzusparen, Passivhäuser zu etablieren und solarthermische Kollektoren und Wärmepumpen auszubauen. Im Gespräch mit den Stadtwerken wurde deutlich, dass der Ausbau dieser sauberen Technologien durch die Unterordnung unter die Profitwirtschaft verhindert wird. Die Energiewende zu dezentralen erneuerbaren Energien wurde von der Bundesregierung abgewürgt. So wird Holzverbrennung im Vergleich zu fossilen Brennstoffen scheinbar zum „kleineren Übel“. Prof. Jooß äußert dazu: „Angesichts der weitreichenden Folgen auf Umwelt und Gesundheit und der vorhandenen sauberen Alternativen kann ein „kleineres Übel“ nicht akzeptiert werden.“ Auch Beschäftigte der Stadtwerke äußerten sich beim Flugblatt Verteilen am Eingang kritisch zu dem Projekt und manche lehnen es ganz ab.
Das Bündnis gegen das „Biowärmezentrum“ fordert vom Oberbürgermeister der Stadt Göttingen Rolf-Georg Köhler als Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke den sofortigen Stopp des Projektes. Dazu wurde eine Internet Petition gestartet. Für eine rasche Umstellung auf saubere und erneuerbare Energieversorgung und Verkehrssysteme statt Greenwashing. Es wird eine Bürgerversammlung gefordert, in der auch von den Gegnern zu benennende kritische Experten sowie betroffene Bürger gleichberechtigt zu Wort kommen müssen.

 

Kontakt:
Umweltgewerkschaft Göttingen:
Inga Freytag-Löringhoff
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Bündnis gegen „Biowärmezentrum“:
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