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08.07.2024 Haus des Gastes Binz Foto privat, Podiumsgäste, Begrüßung durch Frau Dobelstein)

RG MV mit Unterstützung durch den BUVO , Hamburg, in Binz, Haus des Gastes, 08.07.2024

Im Rahmen des Besuchs zweier Umweltaktivisten aus Texas in der BRD, konnte die BI Lebenswertes Rügen, Frau Dobelstein, im Haus des Gastes in Binz ca. 85 umweltbewegte Menschen zusammenbringen. Thema der Podiumsdiskussion: „Importiertes Leid und Klimachaos“, mit dem Hintergrund, dass das texanisches Frackinggas, in der Region der texanischen Gästen gefördert, bei uns in Mukran angelandet und verarbeitet wird.

Durch die Veranstalter wurde die Podiumsdiskussion breit u.a. auch unter deutschen Politikern beworben, erschienen sind von ihnen nur zwei.

So möchte ich die „prominenten“ Gäste kurz vorstellen:

- Elida Castillo aus Corpus Christi, Programmdirektor von CHISPA Texas, ein lateinamerikanisches Basisorganisationsprogramm (Foto mittig)

- John Beard aus Port Athur , Gründer und Geschäftsführer Port Arthur Community Action Network (PACAN) USA, ehemaliger Exon-Mitarbeiter (Foto rechts neben Elida)

- Andy Georghiu, Koordinator des transatlantischen Anti- LNG-Netzwerk, freiberuflicher Campaigner und Berater für Klima-/ Umweltschutz, Mitbegründer des deutschen Klimabündnis gegen LNG (Foto links außen)

- Stv. Bürgermeister Binz Ron-Patrick Reinholz (der Bürgermeister war in der Kreistagssitzung, andere geladene Gäste der Region auch) (Foto links von Frau Dobelstein)

- Prof. Dr. Christian von Hirschhausen TU Berlin, Fachbereich Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik

- Prof. Dr. Hannes Knapp, Rügen, Geobotaniker und Landschaftsökologe, ehemaliger Leiter der Naturschutzakademie auf der Insel Vilm, Präsidiumsmitglied EuroNatur- Kuratorium

- Milena Pressentin DUH, Referenten Energie und Klimaschutz

- Susann Scherbarth BUND, Leitung Internationale Klimapolitik beim BUND

- Ina Latendorf (LINKE), Mitglied des Deutschen Bundestags

- Sabrina Repp (SPD), Europaparlamentsvertreterin für MV und Sachen-Anhalt

- als Moderator: J. Schwarzkopf DUH (Foto rechts von Andy)

Frau Dobelstein begrüßte die geladenen und gekommenen Gäste aufs herzlichste.

Sie stellte die Fragen in den Raum, woher das Gas kommt, welches in Mukran gelandet wird, von welchem Leid im Zusammenhang mit LNG gesprochen wird. Mehr als 50 % des hier als LNG bezeichneten Gases, stammt aus der Fracking-Gas-Förderung. In den USA wurden die Fracking- Gas-Förderung, und die Exporte dazu, seit dem Ukraine-Krieg verdoppelt. Entgegen dem Versprechen der Deutsche ReGas (Betreiber des LNG-Terminals in Mukran, d. Verf.) Ende Mai 2023 in Binz, kein Fracking- Gas zu ordern für den Betrieb (damals noch Lubmin), sieht es heute ganz anders aus. (Heute redet die Deutsche ReGas sich nun damit heraus, dass sie nicht beeinflussen könne, woher die Gasanbieter ihr Gas bekommen! d. Verf.)

Dann gab sie das Wort an John Beard weiter.

Port Arthur ist eine Hochburg der Petrochemie. Seit 1903 besteht diese dort und hat seither nur Tod und Verderben über die Bevölkerung gebracht. Man bleibt wegen der Jobs, doch die sind nicht annähernd so viele, wie versprochen wird. Hier wird Maximalprofit über Mensch und Natur gestellt. In und um Port Arthur befinden sich die 3 größten Petrolkonzerne. Die Luftverschmutzung ist derart hoch, dass es nur noch fünf weitere Städte gibt, die gleichartig belastet sind. Die Krebsrate, Erkrankungen an Herzen und Nieren, die frühe Sterblichkeit ist überdurchschnittlich hoch. Und dieses giftige Gas wird nach Europa, in die BRD geliefert und in den USA als „Freiheits-Gas“ bezeichnet, welches den Deutschen hilft, über den Winter zu kommen. Niemand braucht diese Mengen, die hier in Europa importiert werden. Es gibt in Europa neun LNG-Terminals, in den USA 25 Export-Terminals für LNG! Es geht nur ums Geld! Gas- und Ölförderung in den USA vergiften Boden, Luft und Wasser, der Ausstoß während des Tarnsport vergiftet die Luft, die Pipeline-Beförderung ist auch problematisch, es entweichen unbekannte Größen an Gasmengen. Bürgerrechte und Menschenrechte werden verletzt! Der Kampf ist gegen die Konzerne gerichtet. Die Stadt Port Arthur hat keinerlei Vorteile von den Konzerngebaren. Die Rechte der Ureinwohner und People of Colours werden verletzt, weil ihre Belange weder von den Konzernen, noch von der Regierung gehört, sondern für den Profit geopfert werden….Das Freiheits-Gas hat einen hohen Preis. Texas hat ihn bereits bezahlt. John hofft, dass wir uns wehren, zusammenhalten, solidarisch uns unterstützen. Die Klimazerstörung ist real, wir sehen sie jeden Tag. Gerade bereiten sie sich in der Region auf den nächsten Hurricane vor und wissen, es werden weitere kommen auf Grund der globalen Erderwärmung. Die Botschaft muss verbreitet werden, was Fracking ist, wie es die Regionen vergiftet. Wir haben keinen Plan B, unser Planet wird unbewohnbar, wenn wir nicht zusammenarbeiten.

Nun sprach Elida Castillo über ihre persönlichen Erfahrungen mit der Fracking-Gas- Förderung. Sie wohnt in einem 2000-Seelen-Ort ca. acht Meilen von einem LNG-Terminal entfernt, in Corpus Christi. 2008 zog der erste Petrolkonzern in die Region zur Energiegewinnung aus Öl- und Kohle-Verbrennung. Jedoch wurde verdeckt an der Genehmigung für Fracking-Gas-Förderung gearbeitet. 2014 wurde dafür dann die Erlaubnis erteilt mit der Aufhebung des Exportverbotes von Frack-Gas durch die Obama-Regierung. 2017 wurde begonnen mit dem Anlagenbau und seit 2021 wird gefrackt. 2022 ist das Jahr der dritten Konzernerweiterung in der Region. Auch bei ihnen wurde getönt, dass die USA seit dem Ukraine Krieg mehr fördern muss, damit Europa nicht friert. Es sei nebensächlich, dass die Menschen an den Folgen sterben, nur um die Energie-Krise zu meistern. In der BRD können wir froh sein, keine Airconditioner zu benötigen. Schon jetzt haben sie in Texas 43 Grad Celsius und der Sommer kommt erst in Fahrt. Die Zahl der Hitzetoten steigt. Dazu werden an den Förderstationen 24h/ 7 Tage überflüssige Gase abgefackelt! (sie las eine Liste von nachgewiesenen Stoffen vor, die hochtoxisch sind und darin verbrannt werden) Die Konzerne sagen, dass sie sich an die Regeln, den staatlichen Vorgaben halten. Die Konzerne bekommen hohe Summen an Steuervergünstigungen, die Stadt bekam einen Park, hinter dem eine der Fackeltürme steht, es wurden Jobs versprochen und nicht geschaffen. Die Luft ist kaum atembar.

Der Gouverneur von Texas sitzt in dem Gremium, welches die drei Kontrollkommissare der Umweltbehörde wählt. Die Aufsichtsagentur der Bahn kontrolliert die Öl- und Gas- Industrie, und deren Beamte sind zum Teil Besitzer dieser Konzerne. (wenn ich das richtig verstanden habe, d. Verf.)

Sie wäre gerne als Tourist auf der Insel Rügen gewesen, doch der Frachter mit dem texanischen Gas kam zwei Tage eher als sie auf der Reede vor Rügen an. Und diese sind unsere Verbindung, unsere Brücken im gemeinsamen Kampf! ...Die Regierungen machen sich Sorgen über finanzielle Schulden, jedoch nicht um die Klima-Schulden, die sie uns und unseren Kindern hinterlassen.

Herr Reinholz bekräftigte die Anstrengungen auch der neuen Gemeindevertretung, sich gegen die weiterführenden LNG-Terminal-Planungen zu stellen.

Die Recherchen von Andy G. erbrachten die Gewissheit, die Fakten, dass bereits vor dem Ukraine-Krieg, um 2020/2021 LNG-Terminals an der Nordsee-Küste geplant wurden, als Reaktion auf den Nord-Stream-2- Bau. Es geht um Langzeitverträge von 20 Jahren und mehr mit Beteiligung von Banken in den USA und der BRD! Beidseitig des Atlantiks wird die Bevölkerung durch die Regierungen über die Energiepolitik belogen. Für diese Langzeitverträge wird der Klimaschutz geopfert. Energiekonzerne sind zum großen Teil Staatsunternehmen, d.h. die Regierung steuert bewusst diesen Deal…..mit jedem LNG-Schiff, welches hier ankommt, wird auch das Leid durch die Fracking-Förderung importiert! LNG ist ein Handelsgut, unterliegt somit auch dem Lieferkettengesetz! Es ist ein Kampf gegen eine Industrie, die keine Seele besitzt.

Dann wurden die beiden politischen Vertreter gebeten, sich zu dem LNG-Beschleunigungsgesetz zu äußern.

Während Frau Latendorf einschätzt, dass dieses Gesetz ein Fehler war, weil es nachgewiesen keine nationale Energienotlage gab, dass die Aussage der Konzerne, es sei kein Energietransport von West nach Ost möglich, eine Lüge ist, dass die Förderungskomponenten in den USA für die Regierung der BRD keine unbekannte Größe waren und die eigene Gasförderung auf Grund der großen Ablehnung in der Bevölkerung „ausgelagert“ wurden und daher u.a. USA-Gas gekauft wird, es ein großer Erfolg sei, dass die Petitionen gegen LNG nun doch in die Parlamente gelangt waren, jedoch zur Prüfung zurückverwiesen wurde an das Parlament in Mecklenburg-Vorpommern, was absurd ist, begann die Vertreterin der SPD anfangs damit, dass es unbedingt wichtig sei, wie Fracking geschieht. Es müsse geprüft werden, wie lange schon diese Langzeitverträge bestehen. Erneuerbare Energien sollten gefördert werden. Das deutsche Lieferkettengesetz müsse aktualisiert werden an den europäischen Richtlinien dazu. Sie bedauert, dass die Regierung die Bürger von Rügen nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen hat… was etwas lauten Unmut unter den Gästen bewirkten, denn die Bürger wurden belogen, das hat mit Zusammenarbeit von Regierung und Bevölkerung nichts mehr zu tun. (Mich hätte ihre eigene,  persönliche Einstellung zum Thema Fracking und LNG interessiert und ob sie für unsere Ziele in der SPD kämpfen würde, da sie selber sagte, nicht alle stehen hinter der Regierungsmeinung. Doch sie blieb " politisch korrekt". Schade.)

Auch Prof. Dr. v. Hirschhausen bekräftige die Unsinnigkeit, der unökologischen LNG-Terminals….alle LNG-Produktionsstätten weltweit sind schmutziger als Kohleverbrennung, betrachtet man die gesamte Lieferkette. Der deutsche Bundestag hat nach Feststellung der Gas-Mangel-Lage durch die deutsche Bundesnetzagentur diese Feststellung noch immer nicht aufgehoben, denn nur diese ist die Grundlage für das LNG-Beschleunigungsgesetz gewesen. 100 % Erneuerbare Energien ernst nehmen bedeutet auch, die Umweltgesetze ernst zu nehmen. Auch die an der Nordsee geplanten „festen“ LNG-Terminals brauchen wir nicht. Die Lieferverträge würden sich dadurch über die Zeit des angestrebten Ausstieges aus der fossilen Energiegewinnung hinaus verlängern. Die Entwicklungsperspektive der fossilen Energiegewinnungsindustrie, ist real gesehen negativ.

Prof. Dr, Knapp verwies auf den äußerst schlechten Zustand der Ostsee und bei der offenkundig verheerenden Schaden bei der Förderung, dem Transport und Weiterverarbeiten von Fracking-Gas wird klar, dass die Lügen der Bundesregierung selbst der Grund für „Politikverdrossenheit“ und „Demokratieabbau“ sind. Der Irrsinn muss ein Ende haben, wir sind in der Pflicht, unsere Erkenntnisse öffentlich zu machen.

Frau Scherbarth vom BUND kritisierte, dass mit dem „LNG-Begriff“ das Lieferkettengesetz umgangen wird, denn Fracking unterliegt dieser Prüfung per Gesetz. Ein Drittel der EU-Staaten betreibt LNG-Terminals, entgegen der internationalen Klimaabkommen 2024, in denen das „Ende der fossilen Energiegewinnung“ angekündigt wurde. Sie mahnte, nicht unsere „Energiehunger“ nach außen zu verlegen, sondern ihn zu ändern. Nur wie? Erneuerbare Energien müssen nachhaltig und dezentral gewonnen werden. Die ökologische Frage ist nicht mehr von der sozialen Frage zu trennen. Globale Solidarität tut Not!

Es blieb zum Schluss nur noch wenig Zeit für Fragen und Meinungen. U.a. sprach Jochen aus Hamburg, Bundesvorstand Umweltgewerkschaft, seine Solidarität aus und die Wichtigkeit solcher Veranstaltungen zur Aufklärung, zum gegenseitigen Verständnis. Von der Nordsee zur Ostsee, über alle Meere. Solidarität!

Danke an die Organisatoren und Mitwirkenden!

Suse/ Stralsund

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