180923 Demo DSCF0956Trotz der schlechten Wettervorhersage kamen bis zu 500 Personen zur Kundgebung vor der Oper. In zwei Demonstrationszügen ging es rein in die Innenstadt.
Die Umweltgewerkschaft konnte eine Rede bei der Auftaktkundgebung am Stöckach halten. Hier die Rede von Maria Vescovi vom Bundesvorstand der Umweltgewerkschaft:

"Liebe Stuttgarterinnen und Stuttgarter, liebe Mitstreiter und Demonstrierende

Ich bin Maria Vescovi vom Bundesvorstand der Umweltgewerkschaft und freue mich, dass ich hier sprechen kann.

Wir sehen unsere Umwelt auf vielfältige Weise bedroht: Die menschengemachte Klimakrise, die Abholzung der Regenwälder, Zerstörung der Meere und vieles mehr. Unsere Verkehrsprobleme hier in Stuttgart sind Teil einer allgemeinen Umweltkrise, die droht, in eine weltweite Umweltkatastophe überzugehen. Neueste Studien belegen, dass der Reifenabrieb etwa ein Drittel des Mikroplastiks in den Meeren ausmacht. Ursache der ganzen Probleme ist, dass die ganze Art und Weise wie heute produziert, konsumiert und gelebt wird, vom kapitalistischen Profitprinzip geprägt ist. Dadurch wird die Umweltfrage zu einem weltweiten gesellschaftlichen Problem; und wir brauchen die gemeinsame Aktion der Arbeiterbewegung und der Umweltbewegung, wenn wir diesen Kampf zur Rettung der Umwelt gewinnen wollen.

 

180923 Abb Autofreier Sonntag 9357Die Autokonzerne VW, Daimler, BMW, Ford, Opel, sie alle benutzten die illegale Software, die hier von Bosch entwickelt wurde. Aktuell halten 74% der Menschen in Deutschland die Autoindustrie nicht mehr für vertrauenswürdig.
Alle Autokonzerne haben ihre Käufer betrogen und weigern sich nach wie vor, einen wirksamen Katalysator auf ihre eigenen Kosten nachzurüsten.

Eine nachhaltige Verkehrswende ist nötig und wäre längst möglich.
12 Milliarden € würde es nach Berechnungen des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen kosten, wenn der Öffentliche Nahverkehr in ganz Deutschland kostenlos wäre. Peanuts angesichts von 30 Mrd € Gewinn der deutschen Autokonzerne in 2017 und der Billionen für die Bankenrettung. Doch stattdessen blockieren und verhindern Bundes- und Landesregierung und selbst der Stuttgarter Gemeinderat entscheidende Maßnahmen in diese Richtung.
Was ist jetzt von den Fahrverboten, die die Landesregierung für Euro 4 Diesel plant, zu halten? Erstens ist es ein Zugeständnis an uns. Zweitens wird damit aber das Problem nicht gelöst: NOx wird weiter in großen Mengen ausgestoßen, die Benziner bleiben mit ihren nicht minder schädliche Abgasen unangetastet, auch der Abrieb von Bremsen, Kupplung und Reifen bleibt.

Wir sehen: Wirksame Maßnahmen müssen wir selbst erkämpfen. Als Umweltgewerkschaft fordern wir:

Sofortige Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit SCR-Kat auf Kosten der Autohersteller!
Rasche Umstellung auf emissionsfreie Antriebe auf Basis erneuerbarer Energien – Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor!
Und für Stuttgart die Umstellung der gesamten Busflotte des VVS von nahezu 1200 Bussen auf Brennstoffzellenantriebe. Das gibt saubere Luft und schafft neue Arbeitsplätze.

Wir fordern, dass der Güterverkehr wieder mehr auf die Schiene und die Wasserwege verlagert wird. In Stuttgart gibt es sogar noch unter dem Asphalt ein brauchbares Schienensystem das die Zulieferer mit den Autoherstellern verbindet.

Der ÖPNV muss zu einen attraktiven und gebührenfreien System ausgebaut werden. Nur wenn der ÖPNV besser und schneller ist als der individuelle, werden die Leute umsteigen.

Manche meinen, der ÖPNV sei doch was sehr Wertvolles und was Wertvolles müsse also auch was kosten. Aber mit diesem Argument könnte man auch eine Luft-Steuer einführen.
Andere meinen: Nulltarif auf Kosten der Konzerne-das geht doch nicht, das zahlen die nie. Natürlich sind diese Konzerne mächtig. Aber wenn Bosch, Porsche und Daimler bei den letzten Feinstaubalarmen ihre Arbeiter und Angestellten bereits mit den Werksausweisen frei fahren lassen konnten, ist dies ja bereits schon ein gewisses Zugeständnis, dass das geht. Hier wird nochmal deutlich, wie notwendig es ist, die Konzernbelegschaften der Automobilindustrie für den Umweltkampf zu gewinnen. Arbeiter- und Umweltbewegung müssen aufeinander zugehen. Wir brauchen Arbeitsplätze und Umweltschutz und unterstützen daher als Umweltgewerkschaft den Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz.180923 Transpi gegen Abgasskandal DSCF0964

Wir möchten darüber auch gerne mit Euch diskutieren:
Für die Verkehrsmisere sollen die bluten die auch dafür verantwortlich sind, die Konzerne und nicht wir.

Der Energiekonzern RWE sucht jetzt die Machtprobe mit der ganzen Umweltbewegung! RWE hat für Montag 15.10. den Beginn der Abholzung des restlichen Hambacher Forsts für die weitere Braunkohleförderung angekündigt – eine Provokation angesichts der immer bedrohlicher heraufziehenden Klimakatastrophe! Der gesamten Bewegung, ob gegen Dieselskandal, Feinstaub, Castortransporte oder unsinnige Großprojekte wie S21 wollen sie eine moralische Niederlage beibringen. Deshalb rufen wir alle auf: Verteidigt den Hambacher Forst! Höhepunkte werden große Demonstrationen und Massen-Blockaden vor Ort sein, besonders am Samstag, 6.10. und Sonntag, 14.10. - und danach. Beteiligt euch und mobilisiert massenhaft!

Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit!"