Protest-Delegation der Umweltgewerkschaft in Katowice/Polen zur Weltklimakonferenz-2018 (COP24)

Tagesbericht 4 (mit Bildern),  5.12.2018

 

Aktivisten der „Extinction Rebellion“ (Aufstand gegen das Aussterben) berichten von einer neuen Entwicklung in Großbritannien

Vor allem jugendliche Besucher sorgen im „Klub Królestwo“ für ein „volles Haus“ (ca. 80 Leute), als Aktivisten aus Großbritannien über eine neue Bewegung informieren. Die Veranstaltung ist als Kopie ihrer Veranstaltungen dort konzipiert. Zuerst zeigen sie eindringlich neuste Fakten über die Erderwärmung und kommen zu dem Schluss, dass eine Umweltkatastrophe bereits angerollt ist, die 97% aller Lebewesen ausrotten wird.

Für viele Städte auf der Insel bedeutet dies Überflutung, als Folge schmelzenden Eises. 10% der Bevölkerung der Bevölkerung in Großbritannien wird dies bereits 2050 die Wohnung rauben. Eine unvorstellbare Katastrophe werde eintreten und sie wollen nicht die Generation sein, die sich dagegen nicht gewehrt hat.

Die Regierung hätte versagt und lüge die Bürger an. Deswegen haben sie am 31.10.2018 den Aufstand gegen die britische Regierung begonnen. Eine Rebellion gegen deren kriminelle Untätigkeit angesichts drohendem Massenaussterben durch eine weltweite Klimakatastrophe. Sie konzentrieren sich auf 3 Forderungen: Die Regierung soll 1. den Klimanotstand ausrufen, 2. alle Bürger wahrheitsgemäß über die Krise aufklären („Say the truth“) und 3. den CO2 Ausstoß bis 2025 auf Null herabsetzen.

Die „Rebellion gegen das Aussterben“ soll gewaltfrei agieren mit zivilem Ungehorsam. Dabei verhaftet zu werden, sei sogar ein Ziel des Aufstands, weil in anderen Bürgerrechtsbewegungen bereits nach Hunderten von Verhaftungen eine gesellschaftliche Veränderung in Kraft getreten ist. Verblüfft hören wir und sehen Bilder, dass am 17. November 2018 (einem Samstag) die wichtigsten 5 Brücken in London von Tausenden Aufständischen der Extinction Rebellion über Stunden besetzt wurden. Zuerst dachten wir die schneiden etwas auf, da hätten wir doch etwas von gehört in Deutschland? Aber zurück in unserem Hostel haben wir uns bei youtube weiter informiert. (https://www.youtube.com/watch?v=jAH3IQwHKag)

Seit 5 Wochen laufe nun die Rebellion und bei facebook hätten sich bereits über 40.000 angeschlossen. In ihren Aktionen seien bereits Hunderte verhaftet worden und sie werden aktuell immer mehr. Inzwischen hätten auch in anderen Städten nach London erste Blockadeaktionen und Besetzungen von Regierungshäusern stattgefunden. In ganz Großbritannien gebe es nun Gruppen, dazu in Irland und weiteren 26 Ländern. In Berlin sei nun die erste deutsche Gruppe gestartet.

In der Diskussion innerhalb unserer Delegation hier in Polen waren wir alle überrascht, dass es den deutschen Medien gelingt uns so eine Bewegung in einem Nachbarland zu verschweigen. Als Umweltgewerkschaftler sind wir herausgefordert in mehrere Richtungen: Dass wir einen gesellschaftlichen Systemwechsel brauchen steht auch in unserem Grundsatzprogramm. Dass der Kapitalismus mit seiner Notwendigkeit eines unendlichen Wirtschaftswachstum auf einem Planeten wie der Erde, mit endlichen Ressourcen nicht funktionieren kann, dass sehen wir auch. „Umweltschutz ist international“ haben wir in unser Programm geschrieben, sowie: „Jeder einzelne Widerstand ist Teil der ganzen Bewegung.“ Die Begeisterung der Jugend in Großbritannien für so eine Bewegung der direkten Aktion ist offensichtlich.

In der Diskussion in der Delegation sahen wir allerdings auch Probleme: „Schnelle Aktionen sind möglich, aber schnelle Erfolge kaum zu erreichen. Wir brauchen langen Atem und eine feste Organisation um uns gegenseitig verlässlich zu helfen“. „Eine ‚Friedliche Revolution‘ wird’s nur solange geben, bis die Mächtigen in echte Gefahr kommen“, war eine weitere Meinung. Einig waren wir, dass wir diese neuen Entwicklung in Großbritannien aufmerksam verfolgen sollten.

Inzwischen gelang es uns einen deutschsprachigen Aktivisten der Bewegung gegen das Abholzen des Białowieża-Urwald in Polen kennenzulernen. Wir haben einen Gesprächstermin ausgemacht, da er viel über den Widerstand in Polen erzählen will und seine Kontakte zur deutschen Umweltbewegung stärken möchte. Wir fragen ihn, warum es zwar in Polen unübersehbar Widerstand gegen den Untergang in einer weltweiten Umweltkatastrophe gibt, aber wir bislang keinen Protest gegen die nichtsnutzige COP24-Konferenz feststellen konnten?

Er sagte, die polnische Umweltbewegung betrachtet diese Weltklimakonferenz in Katowice differenziert und zwar auf 3 Ebenen: 1. Die offiziellen Verhandlungen werden wieder mal nichts ergeben, das kann man vergessen. Die 2. Ebene betrifft Vertreter von Technologien, die die COP24 nutzen wollen um Geschäfte zu machen, und die 3. Ebene der Umweltschützer aus aller Welt, die am Rande der COP24 zusammenkommen. Diese 3.Ebene wollen sie nutzen, damit wir uns besser verbinden und voneinander lernen. Er denke, dass bei der geplanten Demo am Weltklimatag in Katowice der Widerstand deutlicher werde. Es gibt in Polen sehr viele Umwelt-Gruppen, zu denen er uns gerne Zugang verschaffen will. Ihre Proteste in Polen seien jedoch für eine breite Masse der Bevölkerung noch nicht nachvollziehbar. Die wollen seiner Meinung nach oft nur ihre Wohnungen warm haben im Winter und denken, die Luftverschmutzung gehöre zwangsläufig dazu.

Wir freuen uns auf weitere Tage hier und werden die Reaktionen der Polen selbst in den nächsten Tagen in den Vordergrund unserer Berichte rücken.

Herzliche Grüße nach Deutschland!

Eure UG-Delegation im heute sonnigen Katowice

181205 COP24 Gelaende im Morgendreck

181205 COP24 UG Delegation vor dem COP24 Haupteingang

181205 COP24 Extinction Rebellion stellt sich vor im climatehub

181205 COP24 eine Chemiefabrik in COP Naehe