Protest-Delegation der Umweltgewerkschaft in Katowice/Polen zur Weltklimakonferenz-2018 (COP24)

Tagesbericht 11 (mit Bildern), 12.12.2018

 

Es schneit in Katowice, Weihnachtsstimmung nimmt zu, Erwartungen an die Klimakonferenz tendenziell ab....

Bei Temperaturen um die Gefrierzone häuft sich Schneefall und bleibt sogar mit Flecken liegen. Eine Riesenschlange am Bahnhof bei der Eröffnung des Weihnachtsbaumverkaufs, überall sieht man Delegierte beim Shoppen und Delegationen der ärmeren Länder beginnen zurück zu fliegen. Wir sind auch in den letzten Zügen, versuchen unsere mehrsprachigen Flyer noch sinnvoll einzusetzen und beginnen auszuwerten. Für die Berichterstattung haben wir heute versucht Stimmen von Teilnehmer und Aktivisten einzusammeln.

Eine Österreicherin empfand das Konferenzgeschehen recht hektisch und unübersichtlich. Sie denkt mit einem Abschlusskraftakt, wird etwas erreicht was positiv ist. Was das sein könnte, konnte sie nicht sagen. Innerhalb der Konferenz gab es wohl Proteste. Bei der Ansprache des Sprecher der US-Delegation, sind Aktivisten aufgestanden und haben ihm zugeschrien, er solle sich schämen.

Von Jugendprotesten berichteten eine ganze Reihe jüngerer „Beobachter“ (Observer). Das sind meist Studenten, die von verschiedenen NGOs angemeldet wurden. Eine ganze Gruppe, subventioniert von der EU, nennen sich „Europian Youthforum“. Sie rennen intern von Workshop zu Workshop, um mit verschiedenen kritischen Einwürfen und Aktionen, die Delegationen zu einer positiven Entwicklung der Weltklimakonferenz zu drängen. Das macht ihnen einerseits Spaß und gibt das Gefühl an der Rettung der Welt beteiligt zu sein; außerdem wird der Aufenthalt hier in Polen finanziert und sie kommen mit Menschen der ganzen Erde in Kontakt. Andrerseits fühlen sie sich nach ein paar Tagen erschöpft und bekommen von Polen wenig mit. In einer Bäckerei berichten uns „Observer“ der Stiftung Deutscher Klimarat, dass die „Jugend denen Dampf macht, damit was rauskommt.“ Vom Aufenthalt in Katowice sind sie eher begeistert. Da sie zum ersten Mal dabei sind „bei was Großem“.

Bei den Delegationen aus Afrika hält sich die Begeisterung deutlich in Grenzen. Zu ihren Interessen gefragt, steht an erster Stelle, was ihr Land wohl vom „Green Climate Fund“ erhält. Kein Wunder, verkündet die segensreiche Einrichtung auf ihrer website: „Die Mission des Grünen Klimafonds besteht darin, die Entwicklungsländer dabei zu unterstützen, auf den Klimawandel zu reagieren und gleichzeitig ihren Völkern Wohlstand zu bringen.“ Wohlstand?, da sagt kein afrikanisches Land Nein. Ein Teilnehmer der Delegation des Tschad berichtet, dass die Bedingungen aus diesem Fond Gelder zu beziehen für sein Land kompliziert seinen. Aus Lesotho berichten uns mehrere, dort seien harte Veränderungen mit Hitze und fehlendem Wasser zu erleben. Sie hätten dringenden Bedarf an Geldern aus dem Klimafonds. Die Diskussion, wie der CO2-Austoß eingegrenzt wird, kümmerte sie wenig. Sie hätten eh keine Macht, gegenüber den Ländern, die zu den großen CO2-Verantwortlichen zählen und ihre eigene CO2-Emission sei dagegen verschwindend gering.

Im Rahmen des kapitalistischen Weltsystem hat ein internationaler Klimafonds die Funktion Länder abhängig zu machen, statt ihre tatsächliche selbstständige Entwicklung zu fördern. Sitz des „Green Climat Fund“ ist Südkorea, wo manche deshalb die nächste Weltklimakonferenz erwarten, nachdem Brasilien für 2019 abgesagt hat. Wie Deutschland seine zugesagten 1,5 Milliarden einbringt, sollten wir überprüfen. Wird da bar überwiesen? Oder ist das gebunden an Aufträge an deutsche Firmen?

Wir bereiten uns auf die eigene Abfahrt vor. Morgen gibt’s den letzten Tagesbericht, mit dem wir Fragen der Gesamtbewertung unserer Delegationsreise behandeln wollen. Als Bilder schicken wir Eindrücke aus einer Bergarbeitersiedlung am Rande von Katowice und ein Beispiele für Straßenkunst, die hier hoch im Kurs steht.

181212 COP24 Wandgemaelde Streetartfestival 2017

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181212 COP24 Grafitti Kunst 1

181212 COP24 Polnische Muetter ganz oben

181212 COP24 Zeche und Kraftwerk

181212 COP24 Bergarbeitersiedlung

181212 COP24 Brennstoffzellenbus im Einsatz

181212 COP24 Noch ne Zeche