Protest-Delegation der Umweltgewerkschaft in Katowice/Polen zur Weltklimakonferenz-2018 (COP24)

Tagesbericht 12 (mit Bildern), 13.12.2018

 

Neue Weihnachtslieder in Katowice...

Jingle bells, jingle bells, Jingle all the way – Fossil fuels must go away – Climate justice now!“

Heute war unser letzter Delegationstag in Katowice. Gestern hatten wir versprochen heute bereits Gesamtbewertungen abzugeben. Doch dann passierte wieder einiges Unerwartete, das wir Euch erstmal mitteilen wollen. Gesamtbetrachtungen werden wir dann von zu Hause abliefern.

 Heute Morgen ließen wir es zunächst langsam angehen. Mit dem Bus ging es in äußere Bezirke von Katowice. Ein Delegationsmitglied vermisst schon seit Tagen ihr morgendliches Bad. Bei Temperaturen um den Nullgrad fand sie einen Zugang, zu einem der vielen Seen hier und gönnte sich diese besondere Erfrischung (siehe Beweisfoto unten!). Abgetrocknet und entspannt ging es dann zum Kaffee trinken beim Bäcker. Dort trafen wir eine „Beobachterin“ aus Frankreich, entsandt von einer deutschen NGO, die uns Details zum „Green Climate Fonds erzählte, bevor ihr Bus zur Rückreise abfuhr. Sie bestätigte afrikanische Hinweise von gestern: Die Bedingungen, um an Geld von diesem Klimafonds zu kommen, sind super kompliziert. Die Organisation UNIDO (englisch: United Nations Industrial Development Organization) hätte solche Gelder beantragt und wurden dann formell abgelehnt. Die UNIDO ist laut wikipedia eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen mit dem Ziel, die industrielle Entwicklung in Entwicklungsländern und Reformstaaten nachhaltig zu fördern.“ Wie schwer muss es da für Entwicklungsländer sein, die solche Gelder dringend brauchen?

Im Veranstaltungsraum von Greenpeace Polen, dem „climate hub“, erlebten wir noch mal interessante Meetings. „Suprememastertv.com“ präsentierte ihre einfache Idee, um sofort 80% der CO2-Emissionen zu senken. Demnach müssen wir alle nur dafür sorgen, dass weltweit alle Medien die Botschaft vertreiben: „Be veg! Go green! 2 save the planet!“ Eigentlich schön, verharmlost allerdings die Gegner, mit denen wir es zu tun haben.

Mit diesen Gegner wollten sich heute morgen, wenigstens symbolisch, ca. 20 „Observer“ (Beobachter) aus verschiedenen Pazifik-Anreiner-Staaten anlegen. Trotz des Verbots von „spontanen Versammlungen“ der polnischen Regierung, bauten sie sich vor dem Haupteingang auf und begrüßten alle ankommenden Konferenzteilnehmer mit Plakaten, Transparenten und einem neuen Weihnachtslied: „Jingle bells, jingle bells, Jingle all the way – Fossil fuels must go away – Climate justice now! Hey!“ Damit wollten sie humorvoll Fortschritte bei der diesjährigen Weltklimakonferenz einfordern, von denen allerdings auch heute nichts spürbar war. Wir haben uns gefreut am letzten Tag unserer Delegation, Kritik und Protest gegen die Klimashow innerhalb der Konferenz, mal etwas deutlicher zu sehen. Die polnische Polizei tat derweil so, als ob sie es nicht sieht. Die Protestmannschaft war dann ziemlich angefroren und verschwand innerhalb der Konferenzarena,

Bei einer weiteren Veranstaltung ging es um die Frage, ob Atomenergie als „Brückentechnologie“ in Polen praktiziert werden soll, bis die erneuerbaren Energien zu 100% alle Energiebedarfe decken kann. Polen hatte bislang kein AKW. Nun soll ein erstes gebaut werden, an der Ostsee bei Danzig. Geplant ist, dass es 2033 ans Netz geht und ab da den CO2-Gesamtausstoss von Polen drosselt. Ein amerikanischer Experte machte darauf aufmerksam, dass die AKW-Technologie nicht nur veraltet, sondern auch die ökonomische Seite ein völliges Desaster und Draufzahlgeschäft ist. Hinter Polens Atom-Plänen steckt wohl die Firma Westinghouse Electric Company, eine Tochterfirma von Toshiba. Durch deren Pannen ist das Vorhaben schwer in Misskredit gekommen. Die Zuhörer verfolgten die Debatte mit Kopfschütteln. Zur Sprache kam auch, dass die gesamte Produktionskette von der Urangewinnung, über die Strahlung der AKWs bis zum ungelösten Atommüllproblem weitaus mehr Treibhausgase erzeugt, als jemals ersetzt werden könnten. Es gab keinerlei Befürworter dieser Harakiri-Pläne.

Später trafen wir unseren polnischen Umweltkämpfer Pawel noch einmal. Wir konnten den Kontakt vertiefen und ihn zu einem Kennenlernen unserer UG-Geschäftsstelle in Berlin einladen. Er will an dem Wochenende der Demonstration im Januar kommen, zum Gedenken an die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht vor 100 Jahren, die ihn als bekennenden Sozialisten sehr interessiert. Er ist gerne bereit Gruppen der Umweltgewerkschaft vom Widerstand gegen die Abholzung des Białowieża-Urwalds zu berichten.

Nun müssen wir für heute abschließen, das nächste Delegationsmitglied startet heute Nacht um 2.30 Uhr nach Hause. Wir sind insgesamt sehr zufrieden, freuen uns über die Wertschätzung, die wir auf unsere Tagesberichte erhielten und werden uns immer positiv an Katowice zurückerinnern. Es hat uns allen Spaß gemacht und wir haben heute gehört, es gibt nun doch eine Bewerbung aus Mittelamerika für die nächste Weltklimakonferenz. Wir fangen schon mal an spanisch zu lernen für Costa Rica und würden uns über weitere Mitreisende freuen!

181213 COP24 Badesspass

181213 COP24 Jingle Bell Protest

181213 COP24 Antiatom klein

                          Tschüüüss Katowice!

181213 COP24 Tschuess Katowice