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Am letzten Tag des Cumbre-de-los-Pueblos gab es eine bewegende Abschlussveranstaltung im großen Zelt der Frauenbewegung. Wir hatten zuvor nochmal drei Stunden mit Transparent und Flyern die Umweltgewerkschaft bekannt gemacht und dabei weitere interessanter Kontakte zu Umweltgruppen in ganz Lateinamerika gewonnen. Darunter eine Anti-Fracking-Organisation in Kolumbien. Das Abschluss-Fotoshooting vor dem "marcha" (der Demo) war im großen Innenhof der Uni.

Santiago Cumbre06

Santiago Cumbre07

Santiago Marcha07

Santiago Cumbre08

Danach mit der U-Bahn, zusammengestopft wie die Sardinen in der Büchse, zunächst zur Gewerkschaftszentrale der CUT. Davor auf dem Gehweg sammelten sich mehr und mehr Gewerkschafter*innen, bis schließlich ein langer Pritschen-LKW auf der Straße mit großem Hallo empfangen wurde. Alle drängelten sich zwischen den Autos auf die Straße hinter den LKW! Weit und breit keine Polizei zu sehen. Los gings! Sofort und immer wieder kämpferische Sprechparolen, zum Beispiel: "El pueblo, el pueblo, el pueblo dondé está? El pueblo esta en la calle, defiende su dignidad!" (Das Volk, das Volk, wo ist das Volk? Das Volk ist auf der Straße, verteidigt seine Würde!).

Zu Beginn waren wir vielleicht 500 bis 1000, direkt neben uns lief der Autoverkehr gnadenlos weiter, allerdings oft mit solidarischen Gewinke und Gehupe. Viele Gebäude und Grünflächen an der Route sind mit Transparenten "geschmückt". Nach und nach schlossen sich immer mehr Leute an, Tausende in unserem Demozug, Zehntausende kamen schließlich von allen Seiten auf die "Platza Italia" - von der Volksrebellion umbenannt in "Plaza de la dignidad" (Platz der Würde). Unsere Freunde vom "Canelo de Nos" waren auch gekommen und sorgten sich um die Sicherheit der beiden Delegationen aus Deutschland. Die Sorge war nicht unberechtigt. Vor dem Polizeipräsidium wütende Proteste, als erste Tränengasgranaten geworfen wurden. Wir packten auf Rat unserer Freunde die Transparente zusammen. Im Gänsemarsch auf dem Gehweg durch die Demonstrantenmassen hindurch weiter, alle achten aufeinander. Selbst organisierte Sanitäter*innen-Teams standen bereit, einfache Atemschutzmasken wurden verteilt. Mit Selbstverständlichkeit und Routine wurden einem die Augen mit  Zitronenwasser besprüht, um das Tränengas zu neutralisieren. Alle Achtung!

Santiago Marcha01

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Santiago Marcha04

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 Santiago Marcha06Hinter dem "Platz der Würde" lockern sich die Massen auf, die Tränengasschwaden vor dem Polizeipräsidium sind nur noch von weitem noch zu sehen. Wir können unser UG-Transparent wieder tragen, inzwischen mit einer Fahne der Mapuche-Ureinwohner*innen geschmückt. Hier ist jetzt Volksfeststimmung, Musik, Flohmarkt-Verkäufe auf der Straße, eine große Trommlergruppe heizt ein. Unser UG-Transparent wird häufig fotografiert. Die Freunde vom "Canelo-de-Nos" empfehlen trotzdem, die Gegend zu verlassen, es wird bald dunkel und wer weiß was noch passiert. Seit Beginn der Volksrebellion im Oktober 23 Tote, tausende Verletzte und Verhaftete - mit dem Staatsapparat und mit ihm verbandelten faschistischen Kräften ist nicht zu spaßen. Wir bewegen uns also zurück zur Unterkunft, um beim Abendessen den ereignisreichen Tag zu bewerten.

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