Protest-Delegation der Umweltgewerkschaft in Katowice/Polen zur Weltklimakonferenz 2018 (COP24)

Tagesbericht 1,    2.12.2018

 

Ankunft und erste Erlebnisse -

Spürbare Vorfreude in Katowice auf die 24.Weltklimakonferenz 

Kurz vor Mitternacht in der Nacht auf Sonntag traf die letzte von uns, ohne Zwischenfälle im Hostel in Katowice ein. Die Delegation der Umweltgewerkschaft zum cop24 in Polen ist fürs erste komplett. Die befürchteten Grenzkontrollen, die Teil eines repressiven Gesetzes der polnischen Regierung zur Unterdrückung jeglichen Widerstands während des cop 24 sind, waren kaum bemerkbar.

Nur ein Teil von uns musste überhaupt den Ausweis zeigen. Die nächsten 2 Wochen werden wir ab jetzt über unsere Erlebnisse hier vor Ort berichten.

Die Stadt ist unübersehbar auf diese Weltkonferenz ausgerichtet und die offiziellen Stellen versprechen sich große Folgen für die Metropolregion rund um Katowice im begonnenen Strukturwandel. An jedem Laternenpfahl cop24 Poster. 20 elektrogetriebene Autos kurven bunt aufgemotzt durch die Stadt. Busse und Straßenbahnen übertrumpfen sich mit zukunftsweisenden Sprüchen, gesponsert von Konzernen, die eigentlich für das Desaster der sich zuspitzenden Umweltkrise verantwortlich sind.

An der Stirnseite des 7-stöckigen Haus der Stadtverwaltung vollenden 2 junge Künstlerin ein farbenfrohes Wandgemälde. „Wir müssen am Montag fertigwerden“, lehnen sie Gesprächsversuche ab, aber freuen sich über unser Interesse am Bild. So einige Baustellen werden wohl nicht ganz fertig werden. Das veranschaulicht den Veränderungsprozess in dem die einstmals auf Kohle und Stahlindustrie ausgerichtete Stadt gerade steckt. Die Weltklimakonferenz soll da zu einem Schrittmacher dieser Veränderung werden und ist offensichtlich sehr willkommen. Die Kohle riecht man deutlich in der Luft, doch unsere polnischstämmige Delegierte versichert: „Zu früher ist das nun ein Luftkurort.

Spodek“ (Untertasse) taufte der Volksmund die Kongresshalle in der die offiziellen Verhandlungen stattfinden. Nach Kennenlernfrühstück und kurzem Schlendern durch Weihnachtsmarkt und City queren wir erfolgreich dort die Empfangsschleusen, nach der auf Flughäfen-üblichen Kontrolle auf Waffen. Drinnen erfahren wir vom „Superviser“, dass diesmal nur die internen Verhandlungen organisiert sind, deren Akkreditierung über die jeweiligen Regierungen und handverlesenen NGOs längst erfolgt sei. Eine „Green Zone“ mit einer Art Umweltmesse wie beim cop22 in Marrakesch gibt’s diesmal nicht. Doch Plätze um mit den Umweltaktivisten aus aller Welt ins Gespräch zu kommen sind zahlreich.

Direkt vor dem Haupteingang hat Greenpeace-Polen einen Klub angemietet, wo wir sehr viele junge Menschen treffen. Johannes aus Pirna erzählt uns in Deutsch begeistert von „Sustaining all life“(SAL), einer in den USA initierten „grasroots (Grasswurzel)-organization“. Lustig, als wir bemerken, dass wir Umweltgewerkschaftler im gleichen Hostel wie seine Delegation abgestiegen sind. Morgen wollen wir ihren Workshop zum Rassismus in der Umweltbewegung besuchen. Auf ihren Abschlußparty Ende der Woche sind wir bereits eingeladen und eine junge Schwedin, mit nepalesischen Wurzeln verspricht mit uns dort zu tanzen.

Bei einem abendlichen Auswertungsgespräch zu unseren ersten Erlebnissen freuen wir uns über die herzliche Aufnahme, die wir hier in Katowice erfahren. „Die typisch, polnische Freundlichkeit läßt sich von Konferenzstress nicht verscheuchen“, meint eine die schon öfter Polen besuchte. „Toll dass alles zu Fuß hier gemacht werden kann“, freut sich ein anderer. Die frühe Buchung der Unterkunft hat uns in unmittelbare Konferenznähe gebracht. Morgen ist Eröffnung – eine Countdown-Uhr am Haus der städtischen Touristeninformation zeigt sogar Stunden , Minuten und Sekunden bis zum Start. Wir werden Euch auf dem Laufenden halten.