Zu den Ortsgruppen:

bitte ganz nach

unten scrollen

 

Chile ist der weltweit größte Kupferproduzent. (Besonders für die Elektroindustrie und damit für die Stromversorgung der Menschheit spielt Kupfer aufgrund seiner hohen Leitfähigkeit eine zentrale Rolle. In der Metallindustrie sind die verschiedenen Kupferlegierungen wie Messing, Zinn u.a. unverzichtbar). Neben Kupfer verfügt Chile über große Vorkommen an Eisenerz, Schwefel, Kohle, Nitrate, sowie Silber, Gold, Mangan und Molybdän sowie Lithium. Es gibt riesige Tagebaue und Steinbrüche, aber auch große unterirdische Minen. Viele Bergwerke liegen in den Anden. Diese Gebirgskette prägt ganz Chile 4000 Kilometer von Nord nach Süd, und ragt über 6000 Meter hoch auf.

Einen kleinen Eindruck davon bekamen wir auf einem Tagesausflug in ein Hochgebirgstal in der Nähe Santiagos. Bis in die Abendstunden donnern schwere Trucks zum Abbaugebiet auf etwa 2500 Meter Höhe und wieder zurück. Am Talende befindet sich ein 5800 Meter hoher Vulkan, der zugleich die Grenze zu Argentinien bildet. Die vulkanische Aktivität läßt an manchen Stellen heißes Wasser aus den Berghängen austreten. Schon lange haben Menschen die heilende Wirkung des mineralhaltigen Wassers genutzt und "Banos", öffentliche kleine Badeteiche, eingerichtet. An einem dieser Teiche suchen wir das Gespräch mit dem Betreiber-Päärchen einer Imbiss-Stube. Sie erzählen von dem immer schnelleren Rückgang der Anden-Gletscher. Ursache ist nicht nur die Klimaerwärmung selbst, sagen sie, auch der dramatische Rückgang der durchschnittlichen Schneemengen im Winter von 1 Meter und mehr auf  gerademal 10 bis 20 Zentimeter in den letzten Jahren lässt die Gletscher schrumpfen. Den spanisch-englischen Flyer der Umweltgewerkschaft finden die Beiden super. Wir dürfen einen ganzes Päckchen davon im Imbiss auslegen! Und auch unterwegs findet unser Flyer noch einige Berg- und Naturliebhaber....

Santiago Anden Hochtal

Santiago Anden Trucks

Santiago Anden Bano

 Santiago Anden Bano2

Santiago Anden Flyer

 

"Auf einer hügeligen Landzunge erstreckt sich der Kern des beschaulichen Fischerstädtchens Quintero... An den idyllischen Badebuchten und pittoresken Sandstränden erholen sich die Besucher...", so lesen wir auf einer Tourismus-Webseite. VOR 60 JAHREN war das wohl zutreffend. Heute ist die Region um die zwei Kleinstädte Quintero-Puchuncavi eine der am meisten verseuchtesten Gebiete Südamerikas! Vier Kohlekraftwerke und ein Dutzend Betriebe der Erdöl-, Chemie-, Kupfer-Industrie wurden hier hochgezogen, ohne auch nur minimalste Umweltschutzauflagen! Das Land müsse "Opfer bringen", das sei eben "der Preis des Fortschritts" forderte ganz offen die rechte Tageszeitung "El Mercurio del Valparaiso" zu Beginn der ersten Bauarbeiten im Juli 1957. Opfer für Bevölkerung, Flora und Fauna, enorme Profite für die in- und ausländischen Konzerne. "Zonas de sacrificio" = Opferzonen!

Quintero Bucht

Quintero Anlagen1

Quintero ENAP Konzession

Quintero Rohre

 Quintero Baden ungeeignet

   ("Strand nicht zum Baden geeignet")

Quintero Anlagen2

 Ein Arbeiter, den wir an der "Strandpromenade" treffen, erzählt uns von der seit Jahrzehnten anhaltenden regionalen Umweltkatastrophe: "Die Fischer können ihre Fische von diesem Küstenabschnitt schon lange nicht mehr verkaufen, sie sind zu stark mit Schwermetallen vergiftet. Leute, die die Kupferschmelze vor einiger Zeit besichtigten, kamen ganz grün wieder raus von der ungefilterten Luft dort.Immer wieder ziehen giftige Schwaden über die Gegend, Tiere sterben, Menschen müssen sich übergeben, werden ohnmächtig!" Er zeigt uns den Weg zum Haus der Fischergewerkschaft, die sich 2014 gegründet hat, nachdem tonnenweise vergiftete Fische am Strand angeschwemmt waren. Leider ist nachmittags niemand da, die Kollegen machen das ehrenamtlich. Und werden immer wieder massiv anonym bedroht! Ihr junger, kämpferischer Vorsitzender, Alejandro Castro, wurde letztes Jahr an einer U-Bahnstation im 40 Kilometer entfernten Valparaiso erhängt aufgefunden - die Behörden sprechen von "Selbstmord", seine Frau und Freunde halten das für absolut unwahrscheinlich und gehen von einem gezielten Mordanschlag aus. Mit einem großen Wandbild in Quintero wird an Alejandro erinnert. Weitere eindrucksvolle "Murales" sind gegenüber der Fischergewerkschaft zu sehen.

Quintero AlejandroCastro

Quintero Kapitalisten

Quintero Gasmaske

 

Quintero Recht zu leben

"Por el derecho a vivir" - Für das Recht auf Leben !

Quintero GrünerGeist

Als im August 2018 wieder einmal eine Giftwolke durch Quintero zog, mit der Folge von mindestens 300 Leuten mit aktuten Vergiftungserscheinungen, darunter 53 Schüler*innen, gab es die bisher größten Massenproteste. Auf Straßenblockaden, Schulbesetzungen, und Demos vor den Werkstoren der Großbetriebe reagierte der Staat mit Wasserwerfern und Tränengas. Als das die Proteste nicht eindämmen konnte, wurde Militär eingesetzt, das mit Gummigeschossen in die Menge feuerte. Präsident Pinera kam schließlich um den Volkszorn mit Versprechen für Umweltschutzmaßnahmen zu beruhigen - aber bis heute ist nicht viel passiert! 

Quintero Holzhäuser

Quintero Wasserwagen

Wasserversorgung mit Tankwagen. Das Wasser vor Ort ist nicht trinkbar.

Viele der Häuser und Hütten haben auch gar keinen Wasseranschluss, sondern nur Wasservorratsbehälter auf dem Dach.Quintero Pelikan

Leider haben wir zu wenig Zeit, um Aktivisten vor Ort zu treffen. Die Fahrt hin und zurück nach Santiago dauert 6 Stunden. Wir haben aber über unsere neuen Kontakte vom "Cumbre de los Pueblos" Telefon-Nummern und Internet-Adressen bekommen, sodass wir auch von Deutschland aus mit Organisationen des Umweltprotests in Quintero in Verbindung treten können. Empört und nachdenklich verlassen wir diesen Ort. Hier wurde uns besonders deutlich: Katastrophenalarm ist angesagt!

 

Quintero UG Transparent

 

 

Unser letzter Tag in Chile. Wir wollten eigentlich noch nach Petorca, etwa 3 Fahrstunden nördlich von Santiago. Aber das ist nicht mehr zu schaffen, wir haben noch Verabredungen in der Hauptstadt.Die Kleinstadt Petorca wurde zum Synonym für den Wasser-Notstand der letzten Jahre, von der große Teile der Bevölkerung Zentral-Chiles betroffen sind. Zwei Dinge kommen zusammen: Der enorme Wasserbedarf für die landwirtschaftlichen Monokulturen, vor allem Avocado-Plantagen. Und der seit mehreren Jahren anhaltende Regenmangel aufgrund der Klimakrise. Wir lesen im Internet: 1 (!) Avocadofrucht bedarf rund 300(!) Liter Wasser! Unglaublich. Da das Wasser, wie alles in Chile, privatisiert ist, kommt es zu der krassen Situation, dass z.B. die Menschen in Petorca kein Wasser haben und mit Tanklastern versorgt werden müssen während ringsum grüne Avocadoplantagen mittels massiver Bewässerung aus natürlichen Quellen gedeihen. Im Bild Avocadoplantagen an der Autobahn nördlich Santiago:

Santiago Region Avocado Plantage1

Wir besuchen noch ein Protestcamp im Zentrum Santiagos. Die Flugblätter der Umweltgewerkschaft stoßen wie überall wo wir waren auf großes Interesse; die Leute freuen sich sehr über den Besuch und die Solidarität aus Deutschland. Die letzten unserer Flugblätter gehen Abends im Park vor unserer Unterkunft weg.

Santiago Protestcamp Zentrum

Mit enorm vielen Eindrücken und Erfahrungen über die Umweltsituation in Chile und Peru und insbesondere den Zusammenhang von Umweltbewegung und sozialen Protestbewegungen, fliegen wir zurück. Es gibt viel auszuwerten und zu lernen für den Aufbau einer international verbundenen Widerstandsfront gegen die herankommenden globale Umweltkatastrophe.

Wir sehen uns in Deutschland - nos vemos en Alemania!

 Valparaiso Blumenidee

ANHANG:

UG FlyerA5 deutsch COP25

Die 50 neuesten Beiträge