Berlin, 21.12.2016

20161203 010704Seit Monaten kämpfen ausgebildete junge Lehrer*innen in Marokko gegen Analphabetentum, für die Verbesserung der Bildung der Bevölkerung und für die Festeinstellung der von der Regierung versprochenen 10. 000 Lehrer und Schuladministratoren. Sie protestieren deshalb dauerhaft auf dem Jemaa El Fna-Platz in Marrakesch, wo im November die 22. Weltklimakonferenz stattfand.
Während der Weltklimakonferenz mit internationaler Aufmerksamkeit, Solidaritätsbekundungen durch unsere Delegation und vielen Besuchern traute sich die Regierung nicht, gegen die Demonstranten offen gewaltsam vorzugehen. Die Regierung versuchte das Bild eines demokratischen und umweltbewussten Staates vorzutäuschen. Unsere Delegation erlebte die jungen Lehrer*innen als von Herzen ehrliche Kämpfer mit begeisterndem Zusammenhalt.
Nach der Weltklimakonferenz zeigte der marokkanische Staat sein wahres Gesicht der Unterdrückung und Gewalt. Mit brutaler Gewalt wurde der Platz geräumt und 40 Lehrer*innen mussten mit z.T. schweren Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Die Polizei zerriss die Bescheinigungen und Diplome einiger unserer Freunde*innen. 15355775nMit diesem Staatsterror soll offensichtlich das Selbstbewusstsein der jungen Protestierer zerstört werden. Marokko, also alles andere als ein „sicheres Herkunftsland“, wie die Bundesregierung behauptet.
Die Umweltgewerkschaft verurteilt diesen brutalen Übergriff und wird die Bevölkerung in Deutschland informieren und die Solidarität organisieren.

Wir wünschen den Lehrer*innen viel Erfolg, Durchhaltevermögen und die breite Unterstützung durch die marokkanische Bevölkerung.


Dezember 2016

Geschäftsführender Vorstand der Umweltgewerkschaft Deutschland

Liebe Freundinnen und Freunde!

Am 11. November gab das türkische Innenministerium das Verbot von 370 Nichtregierungsorganisationen bekannt. Ihre Büros wurden geschlossen und versiegelt. Begründet wurde das mit „Verbindungen zum Terrorismus“. Damit hat die Entwicklung einer faschistischen Diktatur durch das Erdogan-Regime eine neue Stufe erreicht.

Die Mesopotamische Ökologie-Bewegung hat mutig die absichtlichen Umweltzerstörungen durch den türkischen Staat in den kurdischen Siedlungsgebieten angeprangert und dokumentiert.

Weltbekannt ist der Kampf gegen die Überflutung der Jahrtausende alten Siedlung Hasankeyf durch Erdogans gigantische Staudammprojekte. Von Euch haben wir über die von der türkischen Armee gezielt in Brand gesetzten Wälder gehört. Die Beschießung und anschließende Zerstörung ganzer kurdischer Stadtviertel mit Bulldozern in den letzten Monaten ist eine empörendes Verbrechen an Mensch und Natur!

Wir wissen aktuell nicht, wie es um Eure Organisation steht – es liegt aber in der Logik des Faschismus, jede kritische Stimme und damit auch die Umweltbewegung zu unterdrücken. Doch das wird den Faschisten nicht gelingen! Mensch und Natur rebellieren weltweit immer stärker gegen die kapitalistische Profitwirtschaft, deren extremsten Vertreter die Faschisten sind!

Bitte berichtet uns über eure Situation, damit wir das in Deutschland bekannt machen und Unterstützung für Euch organisieren können. Hoch die internationale Solidarität!

Bundesvorstand der Umweltgewerkschaft in Deutschland

161113 OCP koenigliche phosphatfirma sponsort den cop22Die 22. Weltklimakonferenz nähert sich ihrem Ende. Langsam ist es Zeit, die Koffer zu packen.

In den letzten Tagen besuchte ich verschiedene Veranstaltungen und führte eine Reihe von Gesprächen, um entstandene Kontakte zu vertiefen. Eine Gesamt­darstellung würde den Rahmen sprengen. An dieser Stelle einige kurze Einblicke und erste Überlegungen zur Gesamt­auswertung (Weiteres bei der Delegations­bericht­erstattung, wenn wir zurück sind):

„Bewaffnete Konflikte in der arabisch-afrikanischen Zone und ihr Einfluß aufs Klima“ war eine Diskussions­runde überschrieben, die eigentlich versprach, sehr spannend zu werden. Wir erlebten jedoch 7 bis 8 Kurzreferate und Powerpoint-Präsentationen, die sich um alles mögliche drehten, aber nicht um bewaffnete Konflikte. Wenigstens berichteten Referentinnen kurz über Folgen für die Lebens­situation der Familien, aufgrund der in Nordafrika deutlich erlebbaren Klimaveränderungen. Ihre These war: Die klimatischen Probleme sind bereits die hauptsächliche Ursache der aktuellen Flucht­bewegungen aus ihren Ländern.
Zu Publikums­beiträgen standen am Schluss nur 5 Minuten zur Verfügung. Kaum angefangen zu sprechen, wurde aufgefordert sich auf Fragen zu beschränken. Verschiedene teilnehmende Frauen liesen es sich dennoch nicht nehmen, die großen Konzerne und imperialistischen Staaten für die Entwicklung anzuklagen. Mit spontanem Beifall wurde der Hinweis auf eine notwendige internationale, sozialistische Revolution aufgegriffen. Im Rahmen solcher Debatten, die eine gleiche Augenhöhe der über 80 Teilnehmer von vornherein ausschlossen, kann man den Klärungs­prozess in der Umwelt­bewegung nicht voranbringen.

Liebe Freund*innen,

heute nur der Demobericht, nachdem gestern die letzte Delegations­teilnehmerin nach Hause flog und, wie ich inzwischen hörte, dort auch gut angekommen ist:

161113 Unterwegs mit UG TranspFarbenfroh und Lautstark – Demonstration von Klima­aktivisten aus aller Welt in Marrakesch zum cop22-Wochenende

Am Fußballstadion, in dem heute die „Climateshow“ stattfinden soll, begann die Demonstration zum cop22. Die ungefähr 2000 Demonstranten waren zur Hälfte bunt gemischt aus allen Ländern, zur anderen Hälfte Aktivisten der unterschied­lichsten marokanischen Organisationen, vor allem gewerk­schaftlich geprägt. Es gab auch königstreue Teilnehmer, die den cop22 idealisierten. Viele Student*innen aus „Beobachter“-Teams der verschiedensten Teilnehmer-Länder gaben sich ein Stelldichein. Die nun erstmals sichtbare Kritik am cop22-Geschehen tat der guten Laune keinen Abbruch. Die vielfältige, inter­nationale Zusammensetzung, das Gefühl, aus allen Ländern für ein Ziel, das Überleben der Menschheit, zu demonstrieren sorgte für über­schäumende Begeisterung. Da konnte auch der immer wieder in die Demonstration drängende Autoverkehr nichts dran ändern.

Umweltgewerkschafter und weitere Antifaschist*innen von Neonazis in Göttingen bedroht und angegriffen

Göttingen, 13.11.2016

Im Nachgang zu den Protesten gegen Nazi Kundgebungen in Göttingen und Duderstadt kam es am Abend des am 12. November unter den Augen der Polizei zu Übergriffen auf den Umwelt­gewerkschafter und Kreistags­abgeordneten Mohan Ramaswamy und seiner Familie sowie zu Körper­verletzung an Anti­faschist*innen.

Schon während eines Rede­beitrags des Neonazis Mario Messerschmidt bei einer Nazikundgebung des sogenannten “Freundes­kreises Niedersachsen­/­Thüringen“ in Duderstadt bedrohte dieser die Familie Ramaswamy. Nachdem die Neonazis in Duderstadt ihre von Protesten begleitete Nazikundgebung abgehalten hatte, begaben sich einige der 18 Kundgebungs­teilnehmer*innen nach Göttingen.