Ernährung ohne Gentechnik

„Es ist daher zu früh, auf Einzelheiten einzugehen.“

Während ich vor gut zwei Wochen den Artikel „Zu Risiken und Nebenwirkungen...“1 geschrieben habe, stellte ich mir die Frage: „Wie wird der Leverkusener Konzern künftig mit Monsantos Negativ-Schlagzeilen der Vergangenheit umgehen?Was wird sich ändern?“ Bei meiner Recherche im Internet konnte ich keine wirklichen Antworten auf meine Fragen finden, was lag also näher, als selbst einmal bei Bayer nachzufragen. Einen Tag nach meiner schriftlichen Interview-Anfrage meldete sich Utz Klages, Pressesprecher der Bayer Crop Science AG, telefonisch bei mir. Wir vereinbarten, dass ich ihm meine Fragen per E-Mail zukommen lasse, die er dann auf gleichem Wege beantworten würde. Im folgenden nun das Interview:

Frank Binder (FB):
Guten Tag Herr Klages, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen die Fragen zu beantworten.2
Herr Klages, welches Ziel verfolgen Sie mit der geplanten Übernahme des Gentechnik- und Agrarchemieriesen Monsanto? 

Utz Klages (UK): 
Für uns ist diese Transaktion der nächste logische Schritt in unserer Entwicklung als Life-Science-Unternehmen und eine Gelegenheit, einen führenden Anbieter für die Landwirtschaft der nächsten Generation zu schaffen. 

FB:
Welche Auswirkungen hätte eine Fusion Ihrer beiden Unternehmen in Bezug auf die bestehenden Patentrechte auf gentechnisch-verändertes, wie auf herkömmliches Saatgut?

UK:
Die Patentrechte im Bereich Saatgut würden bestehen bleiben.

FB:
Was würde der neue Konzern hinsichtlich der aktuellen Welternährungslage tun? Besonders in den sogenannten Entwicklungsländern? 

UK:
Bis zum Closing (vollzogener Prozess der Übernahme – Anm. d. Verf.) bleiben Bayer und Monsanto unabhängige Unternehmen. Es ist daher zu früh, auf Einzelheiten einzugehen.

FB:
Wäre es denkbar, dass Saatgut allgemein günstiger zu erwerben wäre? Hier liegt der Fokus der
Frage insbesondere bei den Kleinbauern in den Entwicklungsländern.

UK:
Der Preis des Saatgutes richtet sich nach dem Wert, den das Saatgut oder eine bestimmte Pflanzeneigenschaft für den Landwirt hat. Er wird es nur kaufen, wenn es für ihn einen Vorteil hat.

FB:
Welchen Vorteil hätten Verbraucher weltweit von einer geplanten Fusion?

UK:
Landwirte würden von einem umfassenden und optimal abgestimmten Angebot an hervorragenden Saatgut- und Pflanzenschutz-Produkten profitieren – und damit dann auch die Verbraucher. 

FB:
Wie gedenkt der „neue“ Bayerkonzern mit den Verfehlungen des Agrotech-Riesen Monsanto umzugehen? Ich denke da besonders an Monsantoentwicklungen wie Agent-Orange, dass damals im Auftrage der CIA im Vietnamkrieg eingesetzt wurde. Aber auch Stoffe wie das glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel RoundUp und dessen umstrittene Einflüsse auf die Umwelt. Es besteht der dringende Verdacht, dass Glyphosat krebserregend sein soll.

UK:
Bis zum Closing bleiben Bayer und Monsanto unabhängige Unternehmen. Wir können uns daher zu Angelegenheiten von Monsanto nicht äußern.
Zu Glyphosat: Es ist einer der weltweit meist genutzten Pflanzenschutzwirkstoffe; seit 40 Jahren dient er der wirksamen und nachhaltigen Bekämpfung von Unkräutern. Seither haben die Prüfungen internationaler Zulassungsbehörden immer wieder ergeben, dass Glyphosat keinerlei unzumutbares Risiko für die menschliche Gesundheit darstellt. Aus diesem Grund haben alle internationalen Sicherheitsausschüsse und Behörden, die sich in den vergangenen 40 Jahren mit der möglichen krebserregenden Wirkung von Glyphosat befasst haben, Glyphosat als nicht-karzinogen eingestuft.
Es gab in Europa Irritationen, nachdem die IARC, eine Untergruppe der Weltgesundheitsorganisation, Glyphosat als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft hat - übrigens genauso wie rotes Fleisch und sehr heiße Getränke. Das liegt daran, dass die IARC das absolute Risiko betrachtet hat. Die Frage ist aber, welche tatsächliche Gefahr unter realistischen Anwendungsbedingungen besteht. Die IARC hat im offiziellen Bewertungsprozess aber keine Rolle.


FB:
Inwieweit würde sich der „neue“ Konzern für die Altlasten Monsantos verantwortlich fühlen? Zum Beispiel für die gesundheitlichen Schäden, wie Missbildungen nach dem Einsatz von Agent-Orange oder Umweltschäden durch die Nutzung von Herbiziden und Pestiziden aus dem Portfolio von Monsanto?


UK:
Bis zum Closing bleiben Bayer und Monsanto unabhängige Unternehmen. Es ist daher zu früh, auf Einzelheiten einzugehen. Zu Angelegenheiten von Monsanto können wir uns nicht äußern.

FB:
Auf Ihrer Homepage zur geplanten Übernahme/Transaktion antworten Sie auf die Frage, wie die Unternehmenskultur von Monsanto zu Bayer passen würde: „Beide Unternehmen sind geprägt von einer starken Kultur der Innovation und der Wissenschaft, und Bayer bleibt seiner starken Kultur der Innovation, Nachhaltigkeit und sozialen Verantwortung verpflichtet.“3 Inwieweit kann man von sozialer Verantwortung sprechen, wenn gerade Kleinbauern in den Entwicklungsländern durch Knebelverträge gebunden werden, nur Monsanto-Saatgut und Pestizide zu nutzen, ihnen Hybridsaatgut verkauft wird, welches eine zweite Aussaat nicht ermöglicht, oder ein Herbizid, wie RoundUp vertrieben wird, welches in dem dringenden Verdacht steht, krebserregend zu sein?


UK:
Niemand ist gezwungen, ein bestimmtes Saatgut oder Pflanzenschutzmittel einzusetzen. Hybridsaatgut kaufen Landwirte, weil die wesentlich höheren Erträge den Kaufpreis mehr als ausgleichen.

FB:
Herr Klages, ich bedanke mich für das Interview.(4)

In einer gesonderten E-Mail teilte mir der Pressesprecher mit, dass ein Abschluss der Transaktionen nicht vor Ende 2017 zu erwarten sei. Bis dahin würden sowohl Bayer wie auch Monsanto weiter als zwei unabhängige Unternehmen operieren.5 Die Antworten zeugen von Bayers Bestrebungen zukünftig der ganz große Player in der Agro-Chemie Sparte zu werden. Ich möchte das Interview nicht weiter kommentieren, ich denke die Antworten sprechen für sich. 

Während eines Telefonats erklärte mir Herr Klages, dass noch weltweit etliche Kartellämter der geplanten Fusion zustimmen müssen, da es sich bei beiden Unternehmen, durch ausländische Niederlassungen und Verflechtungen sowie Zukäufe, um internationale Konzerne handelt. Bleibt uns nur zu hoffen, dass die jeweiligen Kartellämter von ihrem Vetorecht Gebrauch machen. Denn schon jetzt üben wenige Konzerne eine fast vollständige Kontrolle auf die Nahrungsmittelkette aus.6 Mit einem Bayer-Monsanto Konzern würde der Monopolisierung der Nahrungsmittel weiter Vorschub geleistet – mit noch nicht absehbaren Folgen für Mensch und Umwelt.

Frank Binder

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(1)http://www.umweltgewerkschaft.org/de/themen/ernaehrung-gentechnik/772-bayer-monsanto.html

(2) Die Interview-Eröffnung wurde vom Verf. redaktionell geändert, da es sich um ein per E-Mail geführtes Interview handelt. Das Original kann vom Verf. bereit gestellt werden. Anfragen über die Umweltgewerkschaft: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

(3) https://www.advancingtogether.com/de/home/ - Häufig gestellte Fragen – 10.11.2016

(4) Das Original Interview kann beim Verf. eingesehen werden. Anfragen über die Umweltgewerkschaft:Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

(5) E-Mail vom 06.01.2017  

(6) Vgl.: http://www.umweltgewerkschaft.org/de/themen/ernaehrung-gentechnik/772-bayer-monsanto.html

Am 21.1. 2017 war es wieder soweit: Die 7. Demo gegen die profitorientierte Agrarindustrie brachte wieder viele Tausend in der Landwirtschaft Tätige und umweltbesorgte Menschen zusammen auf die Straße. 130 Trecker, „geschmückt“ mit Protestbannern und Forderungen, waren das optische Highlight der Demonstration. Verschiedene internationale Grußadressen, eine ausdrückliche Abgrenzung gegen rassistische und neofaschistische Stimmungsmache und eine Stoßrichtung gegen multinationale Agrar-Konzerne positionierten die Demonstration eindeutig links!


Aktivisten der Umweltgewerkschaft verteilten an die 2000 Exemplare ihres Grundsatzprogramms, in die ein aktuelles Flugblatt eingelegt war. Zitat daraus:
In Ghana – nur ein Beispiel – brechen lokale Märkte zusammen, weil aus Europa oder den USA importierte, hoch subventionierte Hühnchenteile, Weizen, Milchpulver billiger sind als die im Land selbst produzierten Lebensmittel.
Bei uns wiederum verlieren Bäuer*innen den Kampf um ihre Höfe, weil sie mit den Weltmarktpreisen nicht konkurrieren können oder wollen, sondern lieber mit der Natur und umweltschonend wirtschaften möchten.Und die Milchbäuer*innen? Werden zerrieben zwischen dem Machthunger der Funktionäre (des deutschen Bauernverbandes), der Marktmacht von Molkereien, Lebensmittelkonzernen und Discountern und einer Agrarpolitik, die seit Jahrzehnten nur den Großen nutzt! Das haben wir satt!“


Die Umweltgewerkschaft war den allermeisten noch unbekannt. Doch unser Konzept des kämpferischen Zusammenschlusses von Umweltbewegung, Bauernbewegung und Arbeiterbewegung stieß auf aufmerksames Interesse. Jeder 10.Mensch dieser Großdemo hat nun unser Grundsatzprogramm in der Hand und kann sich damit selbst ein Bild machen.

Eine
Neuorientierung der landwirtschaftlichen Umweltbewegung ist allerdings auch dringend erforderlich: Denn das Konzept der Wir-haben-es-satt!-Organisatoren, mit einem „massenhaften Appell der Betroffenen an die Regierung“ eine Änderung zu bewirken, steht vor dem Scheitern. Das Höfesterben geht weiter, die großkapitalistischen Konzerne und Banken haben die Landwirtschaft vollständig im Griff. Eine gewisse Ernüchterung zeigt auch die Entwicklung der offiziellen Teilnehmerzahlen seit der ersten Demo im Jahr 2011: 22.000-23.000-25.000-30.000-50.000-23.000 und jetzt 18.000.
Notwendig ist ein
Übergang zum aktiven Massen-Widerstand gegen die Hauptverursacher der Umweltzerstörung und Bauernvernichtung, gemeinsam mit der gesamten Umwelt- und Arbeiterbewegung. Dafür muss die Umweltgewerkschaft auch im ländlichen Raum entschieden gestärkt werden!  

Hülsenfrüchte Mandala

2016 wurde von der Vollversammlung der Vereinten Nationen als das Jahr der Hülsenfrüchte

ausgerufen. Mitbekommen hat das kaum jemensch.

An den Hülsenfrüchten kann es nicht liegen – Linsen, Erbsen, Bohnen und Kirchererbsen haben jede Auszeichnung verdient:

Sie sind lecker,

sie sind gesund,

sie sind ökologisch,

sie fördern Selbstbestimmung, Solidarität und damit die Demokratie.

 

Zu Risiken und Nebenwirkungen...

caartoon bayer monsanto119Derzeit leben auf unseren Planeten nahezu 7,5 Milliarden Menschen, Tendenz steigend. Mit zunehmender Weltbevölkerung wird auch der Bedarf an Nahrungsmitteln wachsen. Dennoch nimmt die Zahl der Nahrungsmittelproduzenten immer mehr ab. Immer weniger Konzerne dominieren den Agrarmarkt. Die Folge zahlreicher Fusionen. Konzerne haben über Jahre kleine und mittlere Saatguthersteller aufgekauft, verleibten sich Agrarrohstoffhändler und -verarbeiter ein, fusionierten mit Dünger- und Pestizidherstellern. Die Konzerne üben schon jetzt eine fast vollständige Kontrolle auf die Nahrungsmittelkette aus – von den Grundlagen der Lebensmittelerzeugung über die Verarbeitung bis hin zur Vermarktung. So steigern sie ihre Marktanteile und ihre Macht. Die Konzerne diktieren somit die Preise, Geschäftsbedingungen und zunehmend auch die politischen Rahmenbedingungen. Die Folgen, vor allem für die Plantagenarbeiter und Kleinbauern in der südlichen Hemisphäre, sind verheerend. In keiner Bevölkerungsgruppe sind so viele Menschen vom Hunger bedroht. Aber auch unsere Ökosysteme werden mehr und mehr zerstört.

Bayer will Monsanto kaufen. Schon jetzt kontrollieren nur 3 Konzerne mehr als die Hälfte der weltweiten kommerziellen Saatgutproduktion. Sie wollen nicht nur bestimmen, was wir essen, sondern auch, wie es angebaut wird, nämlich industriell und unter Einsatz von umweltzerstörenden Ackergiften.

Wir haben eure Agrarpolitik sattMännliche Hühnerküken werden gleich nach dem Schlüpfen getötet; in Deutschland sind es ca. 40 Millionen jedes Jahr. Sie legen keine Eier und wachsen zu langsam, um Brathahn werden zu können. Das früher „normale“ Zweinutzungshuhn, das Eier legen und Brathuhn sein kann, wurde – weil nicht profitabel genug – weggezüchtet.

In Ghana – nur ein Beispiel - brechen lokale Märkte zusammen, weil aus Europa oder den USA importierte, hoch subventionierte Hühnchenteile, Weizen, Milchpulver billiger sind als die im Land selbst produzierten Lebensmittel.

Bei uns wiederum verlieren Bäuerinnen den Kampf um ihre Höfe, weil sie mit den Weltmarktpreisen nicht konkurrieren können oder wollen, sondern lieber mit der Natur und umweltschonend wirtschaften möchten.

Dies sind nur einige kennzeichnende Beispiele für die eine Landwirtschaft, die auf die Gewinne von Bayer / Monsanto und Co, Agrar- und Lebensmittelkonzernen ausgerichtet ist.

Das haben wir satt !

Wir setzen uns in unserem Programm ausdrücklich für klima- und umweltschonende ökologische Anbaumethoden, gesunde Nahrung, die wirksame Bekämpfung von Hunger und Armut ein.

Kommt also zahlreich zur Demo !
Unterstützt die Berliner Ortsgruppe der Umweltgewerkschaft bei ihrem Infostand !