Am Samstag, den 18.2.17 fand auf dem belebten Braunschweiger Kohlmarkt die Protestkundgebung gegen die Profiteure und Umweltverbrecher der VW Krise statt. Rund 50  Teilnehmer*innen und viele Passanten verfolgten die Diskussion am offenen Mikrofon.
Aufgerufen hatte das Braunschweiger VW-Widerstandskomitee und das internationalistische Bündnis. Es beteiligten sich auch die Umweltgewerkschaft, Kollegen von Daimler und Airbus aus Hamburg und Bremen, Rebell und MLPD, sowie die Opelaner von „Offensiv“, die extra aus Bochum angereist waren.

Klimaziele müssen auch beim Gütertransport erreicht werden. In erster Linie kann das dadurch gelingen, dass unnötige Transporte und Leerfahrten vermieden werden. Außerdem durch die Verlagerung der Transporte von der Straße auf Bahn und Schiff.

 Mit Gigalinern sind diese Ziele nicht zu erreichen. Im Gegenteil:

- Durch ihren Einsatz wird das Transportaufkommen auf der Straße und die Fahrtenhäufigkeit deutlich zunehmen. CO2-Emissionen von Lkw im Güterverkehr sind jedoch mehr als 4,5 Mal so hoch wie ein entsprechender Transport per Zug.

- Auch im Hinblick auf die Verkehrssicherheit ist der Einsatz von Gigalinern abzulehnen. Bereits heute ist an jedem fünften Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang ein Lkw beteiligt.

- Straßen, Brücken, Tunnel, Leitplanken, Parkplätze, Bahnübergänge − unsere Verkehrsinfrastruktur ist weder für 60-Tonner noch für eine Lkw-Länge von 25,25 Meter ausgelegt.

Vom 22.7.2015 an dürfen Lang-Lkw – so genannte Gigaliner – auch das komplette Straßennetz in Nordrhein-Westfalen und zahlreiche Abschnitte in Baden-Württemberg befahren. Damit sind immer mehr Bundesländer an dem noch bis 2016 laufendem Feldversuch beteiligt. Statt den Güterverkehr auf die Schiene zu bringen, sei Dobrindts Ziel, „mit den Lang-Lkw in den Regelbetrieb zu gehen“. Das muss jedoch verhindert werden.

Auf der Homepage des VCD gibt es gute Studien: www.vcd.org

Güterverkehr auf die Schiene und Flüsse!

Das Umweltbundesamt bestätigt dies und fordert einen Wachstumsstopp bei Last- und Personenwagen.

Das Klima- und Umweltbündnis Stuttgart (KUS) protestiert vor der Konzernzentrale von Daimler-BenzEs ist wahrlich ein Armutszeugnis, welches das Umweltbundesamt am 4. August 2015 den Autofahrern, Pkw- und Lkw-Herstellern und Gütertransporteuren ausgestellt hat. Der neue Bericht den die UBA-Präsidentin Krautzberger vorlegte, betont zwar, dass es aufgrund technischer Entwicklungen heute sparsame Motoren gebe: „Im Schnitt belastet ein PKW heute Umwelt und Klima weniger als etwa im Jahr 1995.“ Weil aber der Trend zu mehr PS und und schwereren Fahrzeugen (1) gehe und der Autoverkehr von 1995 bis 2013 um 11 Prozent zugenommen habe, , nützen die technischen Fortschritte dem Klimaschutz wenig: „Dieser Trend hat die Einsparungen praktisch aufgezehrt“, sagte Krautzberger. Diese Fehlentwicklung müsse dringend geändert werden. Der Klimawandel mache sich mit Hitzewellen und extremen Wetterlagen immer stärker bemerkbar: „2014 war in Deutschland und auch global das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.“ Krautzberger wiederholte darum die alte UBA-Forderung nach einem Tempolimit von 120 Stundenkilometern auf den Autobahnen. Es müsse gelingen, den Güterverkehr von der Straße auf die Schiene und das Wasser zu verlagern, die Lkw-Maut auf Lastwagen ab 3,5 Tonnen auszuweiten und Kohlendioxid-Grenzwerte für Lkws vorzugeben. Diese Appelle, die das UBA regelmäßig wiederholt bleiben jedoch zahnlos, so lange keine praktischen Konsequenzen folgen.

Die Autokonzerne beantworten das Bedürfnis nach Mobilität nicht mit einem schnellstmöglichen Umstieg auf regenerative Antriebe, Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und Ausbau des Güterverkehrs auf der Schiene und Wasserwegen. Im Gegenteil versuchen sie die Menschen an einen ununterbrochenen Anstieg des Schadstoff reichen Individualverkehrs zu gewöhnen, der heute hauptsächlich auf der Basis fossiler Verbrennungsmotoren stattfindet. Während 1950 weltweit 70 Millionen Pkw und Lkw auf den Straßen fuhren und standen, waren es 2012 bereits eine Milliarde.

„Schienenverkehr kommt mit 30 Prozent der Energie aus, die Straßenverkehr bei derselben Transportleistung benötigt. Dennoch wird in fast allen Ländern der Individualverkehr bevorzugt. Auch nach über 100 Jahren Entwicklung liegt der Wirkungsgrad der Verbrennungsmotoren nur bei 30 Prozent. Mit Brennstoffzellen und Elektromotoren könnte er auf bis zu 90 Prozent gesteigert werden. In Verbindung mit Stromgewinnung aus regenerativen Quellen wäre das ein bedeutender Fortschritt – den jedoch die Energie- und Automonopole seit Jahrzehnten aus Profitgründen behindern. “(2)

So setzt zum Beispiel die Bundesregierung ihr Bekenntnis, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene und aufs Wasser zu bringen, nicht um. Sie lässt immer noch leichtere Lastwagen ohne Maut über die Autobahnen fahren. Die Wasserstraßen werden nicht ausgebaut und der Güterverkehr auf der Schiene wird durch den Rückbau der Gleise extrem behindert. Die Autoproduzenten wiederum locken ihre Kunden verstärkt mit Geländewagen, die schon konstruktiv mehr Abgase ausstoßen aus kleinere und flachere Fahrzeuge.

Tempo 100! Ausbau eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs! Güterverkehr auf Schienen und Wasserwege! Schnellstmögliche Umstellung auf ein Verkehrssystem, das auf die Nutzung fossiler Brennstoffe verzichtet!

1) Das Gewicht eines Golf Diesel stieg zwischen 1984 bis 2004 von 920 auf über 1 400 Kilogramm an. Der Grund dafür liegt in einem Trend zu immer mehr Mikroelektronik und Automation.

2) "Katastrophenalarm" S. 159, Verlag Neuer Weg

2012 stufte die Weltgesundheitsorganisation WHO Dieselabgase als eindeutig krebserzeugend ein. Der Zusammenhang mit der Entstehung von Lungenkrebs gilt als erwiesen. Arbeiter (Kollegen in der Logistikbranche, Berufsfahrer, Busfahrer, Hafenarbeiter, auch Bergleute oder Bauarbeiter), die Dieselabgasen ausgesetzt sind, haben ein 40 Prozent höheres Lungenkrebsrisiko („Deutsche Ärzte-Zeitung“, 19.6.2012).

Doch dessen ungeachtet „kämpft in Deutschland die Bundesregierung für das Recht der Autobauer auf die Verschmutzung der Atemluft … und verweigert behördliche Nachkontrollen selbst bei Überschreitungen der Stickstoffdioxiod-Werte um 2.500 Prozent“, so Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der „Deutschen Umwelthilfe“ (DUH) in einer Presserklärung vom 19. September 2015. Die DUH geht davon aus, dass die Anzahl der „hochemittierenden Diesel-Pkw“ in Europa in die Millionen geht, da „auch von anderen Diesel-Pkw-Herstellern wie BMW, Daimler, Ford und Opel“ ähnlich wie bei VW verfahren werde.

Technisch ist es längst möglich, die gefährlichen Abgase herauszufiltern und zu minimieren, allerdings um den Preis eines höheren Spritverbrauchs und geringerer Leistung. Darin liegt – neben geringerer Katalysatorkosten – wohl ein Hauptgrund für die Manipulationen durch VW und andere Hersteller. Ein „gesundes“ Auto wird es, so lange es auf fossilen Energien beruht, jedoch nie geben.

Der Skandal um manipulierte Abgastests von VW-Dieselfahrzeugen in den USA dürfte nur die Spitze eines Eisberges sein. Dieser Skandal ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein bewusstes Verbrechen. Es ist ein Beispiel für die mutwillige Zerstörung der Einheit von Mensch und Natur um des Profits willen.

Ausbau eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs! Güterverkehr auf Schienen und Wasserwege!
Schnellstmögliche Umstellung auf ein Verkehrssystem, das auf die Nutzung fossiler Brennstoffe verzichtet!