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Umweltaktivistin Tonny Nowshin und Jochen bei den Protesten vor Fichtner in Stuttgart am 19.6.2020Rede von Tonny Nowshin, Wirtschaftswissenschaftlerin, Klimaaktivistin, auf der 529. Montagsdemo am 14.9.2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

Danke, dass Sie mich heute hierher eingeladen haben. Ich habe von Ihrem Kampf und der großartigen Arbeit gehört, die Sie in den letzten 10 Jahren geleistet haben. Heute möchte ich die Geschichte des Kampfes gegen ein Kohlekraftwerk erzählen, der seit neun Jahren andauert. Der Kampf, der mich heute zu Ihnen hierher gebracht hat.

Ich bin Tonny Nowshin. Ich bin Ökonomin, Wissenschaftlerin, Klimagerechtigkeits- und Postwachstumsaktivistin. Ich unterstütze eine Bewegung, die in meinem Heimatland Bangladesch gegen ein Kohlekraftwerk begonnen hat, das eine Gefahr für unser Volk und unsere Natur darstellt.

Worum geht es dort?
Die Sundarbans im Süden Bangladeschs sind UNESCO-Weltnaturerbe und der größte und artenreichste Mangrovenwald der Erde. Dort wird von unserer und der indischen Regierung aktuell das Kohlekraftwerk Rampal mit einer geplanten Energieleistung von 1.320 Megawatt gebaut, nur wenige Kilometer nördlich der Mangroven.

Mit dem Bau des Kraftwerks wird die deutsche Fichtner-Gruppe aus Stuttgart beauftragt. Wissenschaftler*innen und Zivilgesellschaft warnen vor massiven Umweltzerstörungen und den sozioökonomischen Langzeitfolgen des Kraftwerks. Friedlichen Protesten der Zivilbevölkerung wurde mit Polizeigewalt begegnet.

Aktivist*innen sehen sich mit Morddrohungen konfrontiert. Klagen vor Gericht gegen intransparente Entscheidungsprozesse und Verstöße der bangladeschischen Regierung gegen Umweltauflagen werden verschleppt.

Warum ist das problematisch?
Bangladesch ist eines der am stärksten von den Folgen des Klimawandels bedrohten Länder weltweit. Durch die naturräumliche Lage des Landes nur wenige Meter über dem Meeresspiegel ist Bangladesch vom Meeresspiegelanstieg, aber auch durch Wetterextreme wie Zyklone und Überschwemmungen stark betroffen.

Die Sundarbans wirken wie ein natürlicher Wellenbrecher bei Zyklonen. Sie sind Heimat vieler bedrohter Tier- und Pflanzenarten und die Einkommensgrundlage der zwei Millionen Menschen in der Region. Der Bau des Kraftwerks und die damit zusammenhängende Zerstörung des Ökosystems würde die Auswirkungen des Klimawandels verschärfen und die Bewohner*innen ihrer Lebengrundlage berauben.

Expert*innen zufolge hat der Bau des Kraftwerks schon jetzt für die Vertreibung und Enteignung tausender Menschen gesorgt. Vergleichbare Fälle in Bangladesch zeigen, dass in den seltensten Fällen angemessene Kompensationen an die betroffenen Menschen gezahlt werden.

Was hat das mit uns zu tun?
Trotz der starken Auswirkungen der Klimakrise in Bangladesch ist der Beitrag des Landes zur Erderwärmung bei fast null. In Deutschland werden dagegen jährlich 100 Millionen Tonnen CO2 emittiert. Während die deutsche Politik nun plant, die durch die Industrie verursachten CO2-Emissionen langfristig zu senken und Kohlekraftwerke abzuschalten, wird im Ausland nach wie vor in Kohleenergie investiert.

In Bangladesch spielt die deutsche Fichtner-Gruppe aus Stuttgart eine zentrale Rolle beim Bau von Rampal und liefert technische Komponenten. Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth, und der Europaabgeordnete Frithjof Schmidt haben erklärt, dass kein deutsches Unternehmen an diesem Projekt beteiligt sein sollte. Trotzdem ist Fichtner nicht bereit, von diesem Geschäft Abstand zu nehmen.

Das steht in krassem Widerspruch dazu, dass sich die deutsche Entwicklungszusammenarbeit mit Bangladesch auf erneuerbare Energien und Anpassung an den Klimawandel konzentriert. Gleichzeitig bleiben aber deutsche Unternehmen dort an Umweltzerstörung und sozialer Marginalisierung beteiligt.

Heute bin ich hier, um diese Informationen mit Ihnen zu teilen. Ich danke Ihnen für Ihre heutige Mobilisierung vor der Fichtner-Zentrale. Es macht mir Freude zu wissen, dass Fichtner wahrscheinlich nicht damit gerechnet hat, eines Tages den Menschen an ihrem Firmensitz in Stuttgart Rede und Antwort stehen zu müssen über das schmutzige Kohleprojekt, das sie in Bangladesch bauen. Sie erwähnen dieses Projekt noch nicht einmal auf ihrer Website.

Außerdem werden sie jetzt auch noch für ein anderes Kohleprojekt in Bangladesch angeheuert. Ich denke, mit Ihrer Unterstützung können wir entlarven,

  • dass sie nicht so grün sind, wie sie behaupten zu sein,
  • dass es nicht in Ordnung ist, mit schmutzigen Projekten in anderen Teilen der Welt Geld zu verdienen und sich zuhause in der eigenen Stadt als grün zu verkaufen.

Ich hoffe, dass wir mit Ihrer Solidarität und Unterstützung in den kommenden Tagen dieses verheerende Projekt stoppen können. Erheben wir gemeinsam unsere Stimme und sagen: Stoppt alle naturzerstörerischen Projekte – überall!

Denn es ist ein Planet, ein Kampf. Gemeinsam müssen wir den Planeten für unsere Generation und die kommenden Generationen retten!
 

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