Dortmund, den 10.8.2018

In den Massenmedien findet eine bemerkenswerte Berichterstattung über die Hitzewelle statt. Man wird zugeschüttet und zwar etwas vereinfacht dargestellt: Wo brennt's gerade und was wird gemacht (was macht die Feuerwehr, wie verkaufen sich Ventilatoren, wie reagiert der Straßenbelag usw.; vielleicht auch noch die Frage, was mit der Ernte ist). Was wirklich passiert und was zu tun ist – das wird vorenthalten. Dies sind unter anderem folgende Gesichtspunkte:
Die Hitze führt nicht nur dazu, dass die Flora verödet. Mit dem Absterben der Pflanzen werden diese auch als CO2-Speicher abgetötet, mit der Auswirkung, dass der Treibhauseffekt verstärkt wird. Eine Katastrophe begünstigt also die andere. Das gilt nicht nur in diesen Zusammenhang.
Natürlich bleibt das nicht ohne Auswirkung auf die Fauna, weil die Natur in einem geschlossenen System existiert, worin sich auch der Mensch befindet.
Die Klimakatastrophen bewirkten 2017 einen wirtschaftliche Schaden von 340 Milliarden Euro. Tendenz steigend!
Von den letzten 10 „Rekordsommer“ fanden 9 in diesem Jahrhundert statt.

Die Hitze wirkt nachhaltig viel dramatischer, als es sich im Tagesgeschehen auch nur ansatzweise ermessen lässt.
Die Zahl der Wetterextreme hat weltweit zugenommen und sie werden häufiger. Zuletzt wurden Veränderungen im Höhenwind (Jet-Stream) festgestellt. Es gibt mehr „stehende" Wettergebiete, der Wechsel zwischen Hoch- und Tiefdruckzonen ist seltener. Das führte zuletzt dazu, dass die für Mitteleuropa typische Westwetterlage blockiert ist, die sonst die Tiefs bringt. Die Erfahrungen mit der Hitzewelle lassen uns erahnen, was „globale Umweltkatastrophe“ heißt.

Es ist kein Zufall, dass sich die politischen Akteure der Berliner Parteien kaum bis gar nicht zur Hitzewelle äußern. Denn mit deren kapitalistischer Logik lässt sich das Problem nicht lösen, im Gegenteil: um des Profits willen wird die Katastrophe in Kauf genommen – sehenden Auges, denn diese Damen und Herren kennen die Fakten!

Zuletzt hat die SPD-Umweltministerin Schulze für strikte CO²-Grenzwerte für den Autoverkehr (im nächsten Jahrzehnt!) geworben. Doch das war ihrem Kabinettschef SPD-Vizekanzler Scholz schon zuviel und er sah sich genötigt, seine Kollegin öffentlich zurückzupfeifen. Die Bauindustrie steht vor der Herausforderung, die Klimaveränderungen bautechnisch zu berücksichtigen. Ein wirkliches Thema für einen Bundesbau-Minister, aber dessen Fachkenntnisse enden beim Bau von „Ankerzentren“ - die keiner braucht. Die herrschende Umweltpolitik reiht sich ein in eine allseitige Rechtsentwicklung der Regierungspolitik.

Mit dieser (Medien-)Politik soll der aktive Widerstand gegen eine drohende globale Umweltkatastrophe unterdrückt werden. Neben der offenen Unterdrückung (z.B. geplante neue Polizeigesetze usw.) wird versucht, über die tatsächliche ökologische Entwicklung Verwirrung zu stiften. Die Bevölkerung soll sich kein Bild darüber machen können, was tatsächlich passiert und was zu tun ist.

Kurzfristige Handlungen, wie der schnelle Kauf von Klimageräten und Ventilatoren mögen der einen oder dem anderen helfen, die Hitze zu ertragen, ökologisch geht der Schuss aber nach hinten los. Was zunimmt, sind Besorgnisse bis zu regelrechten Zukunftsängsten und auch zu resignativen Reaktioen, da „man daran nichts mehr ändern kann“. Gefördert wird aber auch der Wunsch, sich über alle diese Fragen auseinanderzusetzen.

In unserer Arbeit als Umweltgewerkschaft in Dortmund stellen wir eine wachsende Offenheit für die Auseinandersetzung um die Zukunftsfragen und ein wachsendes Interesse an der Umweltgewerkschaft fest. Das zeigt, dass die Entwicklung in der Bevölkerung eben nicht vor allem nach rechts geht, dass genaue Gegenteil ist der Fall. Natürlich sind noch viele Fragen offen. Die Entwicklung steht aber im direkten Gegensatz zur Rechtsentwicklung der Regierungspolitik.

Die zunehmend festzustellenden Behinderungen und Gesetzesverschärfungen sollen offensichtlich den notwendigen Klärungsprozess in der Bevölkerung verhindern. Deswegen muss sich die Umweltgewerkschaft für ihrem Kampf zur Rettung der Umwelt auch insgesamt gegen die Rechtsentwicklung der Regierung positionieren.

Es sei daran erinnert, dass es die vielen Menschen waren, die nach dem Unglück von Fukushima in Berlin gegen die Atomwirtschaft demonstrierten, und so schließlich den erklärten Ausstieg aus der Kernenergie erreichten. Das war nicht das Ergebnis einer ökologischen Politik der Regierung. Diese hatte sich vorher noch zur Atomenergie bekannt. Ihr Rückzug war eine Reaktion auf den Widerstand. Es liegt natürlich auf der Hand, dass die Regierung sich künftig nicht in der Umsetzung ihrer Pläne durch den Massenwiderstand behindert sehen will. Für uns eine klare Botschaft, genau diesen Widerstand aufzubauen. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass die Belegschaften (besonders) in den Schlüsselindustrien im Kampf um die Lebensgrundlagen künftiger Generationen eine bedeutende Kraft im Umweltkampf werden. Schließlich handelt es sich bei den Konzernen um die Hauptverantwortlichen für die Umweltzerstörung.

So schlimm die Katastrophe von Fukushima auch ist, eine globale Umweltkatastrophe, das lässt sich immer deutlicher ablesen, hat einen Vielfaches des Ausmaßes an Zerstörung. Wir brauchen eine neue Qualtität des aktiven Widerstands gegen eine drohende Umweltkatastrophe – das ist die Botschaft der Hitzewelle. Dem dient der Aufbau der Umweltgewerkschaft. Deshalb:

Organisiert Euch in der Umweltgewerkschaft!