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 Vom 1. bis 3. April '22 war wieder eine Gruppe Umweltgewerkschafter*innen im Ahrtal.

Zur Erinnerung: bei der bisher schwersten Unwetterkatastrophe in Mitteleuropa kamen im Juli 2021 über 200 Menschen ums Leben, davon allein 133 im Ahrtal. Ein Versicherungskonzern schätzte die gesamte Schadenssumme auf 46 Milliarden Euro - wobei hierbei die unversicherten und unbezahlbaren Schäden an Mensch und Natur noch hinzugedacht werden müssen!

 Die letzten Nachmittagsstunden nach unserer Ankunft nutzten wir gleich noch zu einem Müllsammeleinsatz an der Ahr, gegenüber "unserer" Jugendherberge. UG Ahrtaleinsatz 4 22 01

Die Jugendherberge stand damals bis knapp zum 1. Stock unter Wasser - wie hunderte Häuser ringsum. UG Ahrtaleinsatz 4 22 02

Abschlussfoto 1.Tag vor dem sehr nützlichen Kleinbus unserer syrischen Freunde.

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Der Bus ist eine Leihgabe einer Stiftung für die große Gruppe syrischer freiwilliger Wiederaufbauhelfer, die seit letzten Sommer im Ahrtal aktiv ist.

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 Die meisten Häuser entlang der Ahr sind immernoch unbewohnbar! Der Wasserstand der Flut ist über den Fenstern gut erkennbar.

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 Am zweiten Tag schlossen wir uns einer Gartenbau-Belegschaft an, die für drei Tage mit kleinen Baggern, Lkw's und massenhaft Pflanzenspenden aus 150km Entfernung zum Wiederaufbau des Ahrtals angerückt war - "Chef" inclusive. Super Truppe! (Der Jüngste war gerademal 14, konnte aber Radlader fahren wie der Weltmeister...)

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 Unsere syrischen Freunde waren selbstverständlich wieder mit dabei. Im Hintergrund die zerstörte Ahrtalschule an unserem heutigen Einsatzort, der kleinen Gemeinde Altenahr am Oberlauf des Flusses.

Im großen Verpflegungszelt lernten wir zur Mittagspause weitere Wiederaufbauaktivist*innen kennen - zwei haben sich am nächsten  Tag in der Umweltgewerkschaft organisiert. Herzlich willkommen!

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Kaum vorstellbar: Hier am Oberlauf der Ahr stand das Wasser bis zur 2. Etage! Sogar die Scheiben wurden durch die Wassermassen eingedrückt.

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Viele der obdachlos gewordenen Einwohner sind inzwischen in solchen Holz-Häuschen untergekommen. Diese Schnellbau-Siedlungen für "Umwelt-Flüchtlinge" im eigenen Land gibt es an verschiedenen Orten im Ahrtal und auf den angrenzenden Hochflächen.

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Auf dem abendlichen Nachhauseweg durch die zerstörte Fußgängerzone in Bad Neuenahr suchten wir das Gespräch mit Einwohnern und Passanten, und verteilten Flugblätter zur Vorstellung der Umweltgewerkschaft.

Wir stießen auf große Aufgeschlossenheit und Diskussionsbedarf über die Hintergründe der Katastrophe, das weitgehende Versagen des Staats, das herzlose bürokratische Gefeilsche der Versicherungen um jeden Euro, und dagegen die anhaltend große überregionale Hilfsbereitschaft und eigene Fähigkeit zur Selbstorganisation des Wiederaufbaus.

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 Letzteres war am folgenden Morgen beim  Treffpunkt "Helfer-Shuttle" zu erleben: Kurz nach der Flut auf Initiative lokaler Handwerksfirmen entstanden, ist der Helfer-Shuttle an sieben Tage die Woche DER Anlaufpunkt für alle Fluthelfer*innen aus Nah und Fern. Ob spontan für einen halben Tag oder geplant für mehrere Tage, ob ungeübt oder "Profi", ob Jung oder Alt, hier bekommen alle die passenden Aufräum- oder Wiederaufbau-Aufträge ausgedruckt ausgehändigt.  Selbstredend mit Arbeitsbeschreibung was zu tun ist, benötigtes Werkzeug (gibt's mit dazu), genauer Adresse, Rückruftelefonnummer für Nachfragen, und - nicht unwichtig - wo das jeweils nächste Verpflegungszelt steht. Hat man kein eigenes Fahrzeug, kann man im nächsten "Shuttle-Bus" zur Arbeitsstelle mitfahren und wird auch wieder abgeholt. Wer selbst mal mit anpacken will, hier die Internetadresse: https://www.helfer-shuttle.de/

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 Uns wurde für den letzten halben Tag vor unserer Abreise ein von der Flut weggeschwemmter Vorgarten zugeteilt. Die frisch angelieferte Erde auflockern, gleichmäßig verteilen, Gras-Samen einsäen und unterharken, und das alles bei schönstem Wetter statt wie am Vortag bei Schnee und Eiseskälte - da hat man die inzwischen recht heftig quitschenden Gelenke kaum mehr wahrgenommen. 

Wir waren uns jedenfalls am Ende einig: auch dieser Einsatz hat sich in verschiedener Hinsicht wieder voll gelohnt, trotz der weiten Anreise für manche von uns. Es ist einfach ein Unterschied, ob man über die beschleunigte Entwicklung zu einer globalen Umweltkatastrophe in Büchern oder Nachrichten LIEST und BILDER sieht, oder ob man vor Ort mit einem praktischen Ergebnis dieser Entwicklung PERSÖNLICH  KONFRONTIERT ist - und auch den massenhaften Widerstandswillen dagegen direkt erlebt.  

Genauere Auswertung folgt an anderer Stelle. Also bis zum Nächstenmal!

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       (Sonnenaufgang über der Ahr an unserem letzten Tag)

 

 

 

 

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