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Pressemitteilung der Umweltgewerkschaft Göttingen am 18.5.22:

Greenswashing Projekt „Biowärmezentrum“ in Göttingen gescheitert:

Holz – und Erdgasverbrennung ist kein Klimaschutz.

Im Jahr 2019 wurde von den Stadtwerken das sogenannte „Biowärmezentrum“ in Betrieb genommen. Durch Verbrennung von 16.000 Tonnen Holz pro Jahr soll es einen erheblichen Anteil an der gesamten Fernwärmeversorgung in Göttingen abdecken. Jeweils die Hälfte Wärme sollte aus der Verbrennung von Holzhackschnitzel und die andere Hälfte mittels „Holzvergasung“ gewonnen werden. Die Kritiken der Umweltgewerkschaft, dass „Holzverbrennung im großen Stil konträr zu Klimaschutz ist“ wurden in den Windgeschlagen: Schon heute wird mehr als die Hälfte des in Deutschland genutzten Holzes importiert, der Druck auf maximale Holzerträge in Monokultur-Wirtschaftswälder steigt, die Bindung von Kohlenstoff im Wald und in Baustoffen wird verringert und die Nährstoffe werden zu giftiger Asche verwandelt. Sie müssen als Sondermüll gelagert werden. Unsere Alternativvorschläge für eine saubere erneuerbare Wärmeversorgung in Göttingen – die dezentrale Nutzung ausschließlich erneuerbarer Energien und ein Nahwärmenetz- wurden ignoriert, weil sie „nicht genügend gewinnträchtig“ seien, so die Stadtwerke Göttingen.

Bei einer Betriebsbesichtigung des „Biowärmezentrums“ im Sommer 2021 durch die Umweltgewerkschaft flog auf, dass der angeblich innovative Holzvergaser nun gar nicht mehr errichtet werden soll. Das nahm die Umweltgewerkschaft zum Anlass, eine kritische Anfrage an die Oberbürgermeisterin der Stadt Göttingen, Frau Broistedt (SPD) zu richten. In unserem Brief vom 24.01.22 wird erheblicher Klärungsbedarf zum Genehmigungsverfahren festgestellt, da „das Genehmigungsverfahren unter unzutreffenden Voraussetzungen abgelaufen“ ist. Frau Broistedt antwortete in einem Brief vom 15.02.2022: „Die diesbezüglichen Annahmen ihres Vereins treffen nicht zu. Die Firma Boson Energy beabsichtigt weiterhin, noch in diesem Jahr eine Holzvergaseranlage im Biowärmezentrum zu errichten.“ Das ist eindeutig falsch. Unsere Sichtung von Unterlagen im Gewerbeaufsichtsamt der Stadt Göttingen Umweltgewerkschaft ergab, dass bereits im Juli 2021 ein Erdgas-Blockheizkraftwerk in den Räumen des sogenannten „Biowärmezentrums“ genehmigt wurde – also klimaschädigende und teure fossile Energie. Die Firma Boson-Energie ist ausgestiegen. Weder die Oberbürgermeisterin Frau Broistedt noch die Fachdezernate der Stadt Göttingen wissen jedoch offensichtlich darüber Bescheid.

Auch die in unserem Brief kritisierten weiteren Probleme, wie die gesundheitsgefährdende Emission von Feinstäuben, Stickoxiden, Dioxin und Kohlenmonoxid werden herunter gespielt: Die Stadtwerke seien sich „ihrer Verantwortung für die Gesundheit der Göttinger Bürgerinnen und Bürger sehr bewusst …“ erklärt die Oberbürgermeisterin. Im Gegensatz dazu kommt das beauftrage Analyseinstitut zu der Feststellung: Die Rost- und Kesselasche ist „aufgrund der hohen (…) Messwerte für Schwermetalle (Blei und Chrom gesamt) als gefährlicher Abfall einzustufen“. Statt Schliessung des Nährstoffkreislaufes des Waldes landen diese Aschen daher nun in der Mülldeponie Hattdorf am Harz, eine Deponie der Klasse II für giftigen Müll.  Auch die „untersuchte Elektrofilter Asche (…) Ist aufgrund diverser Überschreitungen (…) nicht mehr deponierbar. Es verbleibt die Verbringung in eine Untertagedeponie.“ Damit hat die Umweltgewerkschaft in allen ihren Kritikpunkten, die sie mehrfach öffentlich gegenüber den Stadtwerken und der Stadt Göttingen äußerte, Recht behalten.

Die Umweltgewerkschaft stellt daher fest: „Die von der Stadt Göttingen behauptete Vorreiterrolle im Klimaschutz und Umstellung auf erneuerbare Energien ist Greenwashing. Göttinger Bürgerinnen und Bürger werden hinters Licht geführt. Weder Holz- noch Erdgasverbrennung ist klimafreundlich“. Der ganze Vorgang wirft ein Licht darauf, mit welcher Un-Sachkenntnis in der Energie- und Klimapolitik entschieden wird. Letztendlich ist auch diese Politik auf kommunaler Ebene den Profitinteressen der Stadtwerke und anderer kommunaler Einrichtungen als Aktiengesellschaften unterworfen.

Es gilt jetzt auch angesichts des sich ausweitenden Weltwirtschaftskrieges und militärischen Auseinandersetzung um Rohstoffe endlich Ernst zu machen mit dem sofortigen Ausbau der dezentraler Nutzung erneuerbarer Energien auf 100%. Ein Gesellschaftssystem in dem dies nicht umgesetzt wird, alles den Profit- und Machtinteressen der Aktionäre und Konzerne untergeordnet ist, und die Menschen mit Greenwashing belügt gehört selber auf den Müllhaufen der Geschichte. 

Unterstützt uns bei unserer Arbeit und mach mit in der Umweltgewerkschaft! Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unser nächstes Treffen ist am Mittwoch 25. Mai um 19:00 im Naturfreundehaus, Naturfreundeweg 1.

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